Sie schreiben gerade die Abwesenheitsnotiz für den Urlaub: „Ab dem 3. August bin ich wie gew…“ – und der Finger stockt über dem Umlaut. Gewohnt oder gewöhnt? Richtig ist wie gewohnt, ohne Umlaut. Gewöhnt mit Umlaut steht nur, wenn ein „an“ im Satz ist: Ich habe mich an die neue Software gewöhnt. Die Frage gewöhnt oder gewohnt lässt sich damit auf ein einziges Wort reduzieren, und compakt.de/ zeigt, wie Sie diese An-Probe in jedem Satz anwenden – von der Kundenmail bis zur Homeoffice-Regelung 2026. Der Beitrag gehört zu unserer Serie über die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.
Das Wichtigste vorweg
- gewöhnt (mit Umlaut) ist das Partizip von sich gewöhnen und steht immer mit „an“: an den Lärm gewöhnt, an das Klima gewöhnt.
- gewohnt (ohne Umlaut) bedeutet „vertraut, üblich“ und kommt ohne „an“ aus: Ich bin es gewohnt, wie gewohnt, die gewohnte Umgebung.
- Die Probe: Steht „an“ im Satz → gewöhnt. Steht „es“, ein Objekt oder ein Infinitiv mit „zu“ → gewohnt.
Die An-Probe: ein Wort entscheidet
Suchen Sie im Satz nach der Präposition „an“. Ist sie da, gehört sie zum Verb sich gewöhnen an, und das Partizip trägt den Umlaut: Wir sind an frühes Aufstehen gewöhnt. Sie hat sich an den Schichtdienst gewöhnt. Das „an“ verlangt hier den Akkusativ – an den Lärm, an das Klima, an die neuen Kollegen.
Fehlt das „an“, ist gewohnt richtig. Dann folgt entweder das kleine „es“ (Ich bin es gewohnt), ein Akkusativobjekt (Sie ist harte Arbeit gewohnt) oder ein Infinitiv mit „zu“ (Ich bin es gewohnt, früh aufzustehen). Die beiden Sätze Ich bin an frühes Aufstehen gewöhnt und Ich bin es gewohnt, früh aufzustehen sagen fast dasselbe – aber der Satzbau legt die Schreibung fest.
Das Partizip „gewöhnt“ gehört zum Verb „sich an etwas gewöhnen“ und ist an die Präposition „an“ gebunden; „gewohnt“ bezeichnet dagegen einen vertrauten Zustand und wird mit „es“, einem Objekt oder einem Infinitiv verbunden.
Duden-Sprachwissen, Zweifelsfälle – sinngemäß

Gewöhnt: der Prozess, der ein „an“ braucht
Sich gewöhnen beschreibt einen Vorgang: Etwas war fremd und wird allmählich vertraut. Deshalb steht das Wort so oft in Sätzen über Veränderungen. Wer 2026 aus dem Büro ins Homeoffice wechselt, schreibt: Ich habe mich an das Arbeiten von zu Hause gewöhnt. Wer umzieht: Die Kinder haben sich schnell an die neue Schule gewöhnt. Wer die Hitze im Großraumbüro verflucht: An diese Temperaturen gewöhnt man sich nie. Immer ist ein „an“ dabei, immer folgt der Akkusativ – und immer trägt das Partizip den Umlaut.
Auch als Zustandsbeschreibung mit „sein“ bleibt das „an“ Pflicht: Sie ist an das Klima gewöhnt. Der Satz sagt, dass der Prozess abgeschlossen ist – der Weg dorthin führte aber über sich gewöhnen an, und dieses „an“ bleibt erhalten.
Gewohnt: der Zustand, der ohne „an“ auskommt
Gewohnt nennt keinen Prozess, sondern ein Ergebnis: Etwas ist vertraut, üblich, normal. Das Wort kann direkt ein Objekt bei sich haben (Sie ist harte Arbeit gewohnt), es kann mit „es“ und einem Infinitiv stehen (Wir sind es gewohnt, spät Feierabend zu machen), und es kann vor einem Substantiv stehen wie jedes andere Adjektiv: die gewohnte Umgebung, in gewohnter Qualität, zur gewohnten Zeit.
Gerade die festen Wendungen sind in der Geschäftssprache allgegenwärtig. Eine Kundenmail lautet etwa: Zurzeit arbeiten wir mit reduzierter Besetzung, sind aber wie gewohnt telefonisch erreichbar. Das „wie gewohnt“ ist hier eindeutig – kein „an“ weit und breit. Das Wort am Satzanfang hat dagegen seinen eigenen Beitrag: Ob zurzeit oder zur Zeit richtig ist, hängt von der Bedeutung ab.
Ein Stamm, zwei Wörter: woher die Verwechslung kommt
Dass beide Formen so ähnlich klingen, ist kein Zufall. Gewohnt und gewöhnt gehen auf denselben Stamm zurück – gewohnen und gewöhnen, verwandt mit wohnen und Gewohnheit. Im Laufe der Zeit haben sich die beiden grammatisch getrennt: gewöhnen beschreibt den Prozess des Vertrautwerdens, gewohnt den erreichten Zustand. Das Deutsche kennt mehrere solcher Paare, bei denen ein Vokal oder ein Umlaut die Grammatik verrät – etwa bei erschrocken oder erschreckt und bei gehangen oder gehängt. In allen Fällen lohnt es sich, nicht auf den Klang zu hören, sondern auf den Satzbau zu schauen.
| Merkmal | gewöhnt | gewohnt |
|---|---|---|
| Umlaut | ja | nein |
| Herkunft | Partizip von sich gewöhnen | vom Stamm gewohnen, heute „vertraut, üblich“ |
| Bedeutung | Prozess: etwas ist vertraut geworden | Zustand: etwas ist vertraut |
| Anschluss | immer „an“ + Akkusativ | „es“, Akkusativobjekt oder Infinitiv mit „zu“ |
| Beispiel | Ich habe mich an den Lärm gewöhnt. | Ich bin es gewohnt, früh aufzustehen. |
| Feste Wendungen | an etwas gewöhnt sein | wie gewohnt, in gewohnter Qualität, zur gewohnten Zeit |
Gewöhnt oder gewohnt: die drei Fehler, die immer wieder auftauchen
In E-Mails und Bewerbungen wiederholen sich dieselben Fehlgriffe – links falsch, rechts richtig:
- Ich bin es gewöhnt, selbstständig zu arbeiten → Ich bin es gewohnt, selbstständig zu arbeiten (kein „an“, sondern „es“ und Infinitiv)
- Ich bin an das Wetter gewohnt → Ich bin an das Wetter gewöhnt („an“ verlangt den Umlaut)
- Wir sind wie gewöhnt für Sie da → Wir sind wie gewohnt für Sie da (feste Wendung ohne „an“)
Merksatz: Gewöhnt mit Umlaut braucht ein an – gewohnt ohne Umlaut kommt ohne an aus. Der erste Fehler ist der häufigste, weil „es gewöhnt“ für viele Ohren natürlicher klingt. Die Grammatik hält dagegen: Das „es“ ist ein Objekt, kein „an“ – also gewohnt.
Testen Sie sich: fünf Lücken
- Wir sind an frühes Aufstehen ___ (gewöhnt / gewohnt).
- Der Newsletter erscheint wie ___ (gewöhnt / gewohnt) am Freitag.
- Ich bin es ___ (gewöhnt / gewohnt), unter Zeitdruck zu arbeiten.
- Nach dem Umzug hat sie sich rasch an die Stadt ___ (gewöhnt / gewohnt).
- Sie erhalten die Ware in ___ (gewöhnter / gewohnter) Qualität.
Lösungen: 1 gewöhnt („an“ im Satz) · 2 gewohnt (feste Wendung „wie gewohnt“) · 3 gewohnt („es“ und Infinitiv mit „zu“) · 4 gewöhnt („an die Stadt“) · 5 gewohnter (Attribut, „in gewohnter Qualität“). Satz 3 ist der Prüfstein – wer hier ohne Umlaut schreibt, hat die An-Probe verstanden.
Fragen aus der Suchleiste
Heißt es „ich bin es gewohnt“ oder „ich bin es gewöhnt“?
Ich bin es gewohnt. Das „es“ ersetzt ein Objekt, ein „an“ fehlt – also ohne Umlaut: Ich bin es gewohnt, früh aufzustehen.
Schreibt man „wie gewohnt“ oder „wie gewöhnt“?
Wie gewohnt. Die feste Wendung bedeutet „wie üblich“ und hat kein „an“: Wir sind wie gewohnt erreichbar.
Heißt es „an etwas gewöhnt“ oder „an etwas gewohnt“?
An etwas gewöhnt. Sobald „an“ im Satz steht, ist es das Partizip von sich gewöhnen: Sie ist an das Klima gewöhnt.
Was ist der Unterschied zwischen gewöhnt und gewohnt?
Gewöhnt beschreibt den Prozess, sich an etwas zu gewöhnen, und braucht „an“. Gewohnt beschreibt den Zustand „vertraut, üblich“ und steht mit „es“, einem Objekt oder einem Infinitiv.
Kurz und bündig
Bei gewöhnt oder gewohnt reicht ein Blick auf die Präposition: Mit „an“ heißt es „gewöhnt“, ohne „an“ heißt es „gewohnt“. Ich habe mich an den Lärm gewöhnt, aber Ich bin es gewohnt, früh aufzustehen und wie gewohnt. Der Umlaut markiert den Prozess, sein Fehlen den vertrauten Zustand. Weitere Verwechslungswörter mit schneller Entscheidungshilfe finden Sie in unserer Übersicht der häufigsten Rechtschreibfehler.