Ein falsches „dass“ im Anschreiben, ein „Vorraus“ mit zwei r in der E-Mail an den Vermieter, ein „Standart“ in der Präsentation – kleine Fehler, große Wirkung. compakt.de/ hat die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen gesammelt: 60 Zweifelsfälle, die in Bewerbungen, Behördenpost und Chats immer wieder auftauchen, jeweils mit einer Kurzantwort und einem Link zum ausführlichen Beitrag mit Regel, Eselsbrücke und Übung. Die Übersicht wird laufend erweitert; sie ist der Startpunkt unserer Serie Richtig schreiben.
So nutzen Sie diese Übersicht
Die Zweifelsfälle sind in sechs Gruppen sortiert, weil hinter jeder Gruppe dieselbe Art von Regel steckt. Wer einmal verstanden hat, warum zu Hause und zuhause beide richtig sind, versteht auch infrage und aufgrund. Die Kurzantwort reicht, wenn Sie nur schnell nachschlagen möchten; der verlinkte Beitrag erklärt die Regel so, dass Sie sie beim nächsten Mal nicht mehr nachschlagen müssen. Suchen Sie mit Strg+F nach dem Wort, das Ihnen Kopfzerbrechen macht.

Die drei Proben, die fast alles lösen
- Ersatzprobe: Lässt sich das Wort durch ein anderes ersetzen? „Dieses“ statt „das“ – dann ein s. „Erneut“ statt „wieder“ – dann zwei e. Ausführlich bei das oder dass und wieder oder wider.
- Verlängerungsprobe: Verlängern Sie das Wort, bis der unklare Konsonant hörbar wird: des Todes, die toten. Ausführlich bei tot oder Tod.
- Wortartprobe: Ist das Wort ein Substantiv (Artikel davor möglich), ein Verb (Subjekt nötig) oder ein Adverb? Sie entscheidet über seit oder seid ebenso wie über groß oder klein.
Getrennt oder zusammen?
Die größte Gruppe – und die mit den meisten Wahlfreiheiten. Die Regeln dahinter erklärt unser Grundlagenbeitrag zur Getrennt- und Zusammenschreibung.
- Zurzeit oder zur Zeit? „zurzeit“ heißt derzeit; „zur Zeit“ steht nur mit Ergänzung (zur Zeit Goethes). Zum Beitrag
- Imstande oder im Stande? Beide Formen sind erlaubt, der Duden empfiehlt „imstande“. Zum Beitrag
- Wie viel oder wieviel? Richtig ist nur „wie viel“ – getrennt. Zum Beitrag
- Getrennt- und Zusammenschreibung – Verb + Verb meist getrennt, verblasste Substantive zusammen, viele Adverbien mit zwei erlaubten Formen. Zum Beitrag
- Zuhause oder zu Hause? Als Adverb sind „zu Hause“ und „zuhause“ beide korrekt; das Substantiv heißt immer „das Zuhause“. Zum Beitrag
- Sodass oder so dass? Beide Schreibweisen sind erlaubt, der Duden empfiehlt „sodass“; vor der Konjunktion steht ein Komma. Zum Beitrag
- Im Voraus oder im Vorraus? Richtig ist nur „im Voraus“ – großgeschrieben und mit einem r. Zum Beitrag
- Aufgrund oder auf Grund? Beide Schreibweisen sind korrekt; der Duden empfiehlt „aufgrund“.
- Infrage oder in Frage? „infrage stellen“ und „in Frage stellen“ sind beide erlaubt, empfohlen wird „infrage“.
- Kennenlernen oder kennen lernen? Beide Formen sind zulässig; der Duden empfiehlt „kennenlernen“.
- Des Weiteren oder desweiteren? Richtig ist nur „des Weiteren“ – getrennt und großgeschrieben.
- Zurecht oder zu Recht? „zu Recht“ (berechtigterweise) schreibt man getrennt und groß; „zurecht-“ nur in Verben wie zurechtkommen.
- Vor allem oder vorallem? Richtig ist nur „vor allem“ – zwei Wörter, klein.
- Nichtsdestotrotz oder nichts desto trotz? Nur „nichtsdestotrotz“ in einem Wort ist richtig – stilistisch neutraler sind „dennoch“ oder „trotzdem“.
- Rad fahren oder radfahren? Seit der Reform heißt es „Rad fahren“ (getrennt, groß); Ausnahmen wie „eislaufen“ bleiben zusammen.
- Spazieren gehen oder spazierengehen? Richtig ist „spazieren gehen“ – getrennt, wie fast alle Verbindungen aus zwei Verben.
- Zumindest oder zumindestens? Richtig ist nur „zumindest“ – „zumindestens“ ist eine Vermischung mit „mindestens“.
Groß oder klein?
Substantivierungen, Tageszeiten, feste Wendungen mit „im“ und „am“ – hier entscheidet die Wortart, nicht das Gefühl.
- Groß- und Kleinschreibung – Substantive und Substantivierungen groß, Adjektive, Verben und Adverbien klein – mit klaren Signalwörtern.
- Heute Morgen oder heute morgen? Nach heute, gestern und morgen wird die Tageszeit großgeschrieben: heute Morgen, gestern Abend – aber morgen früh.
- Am besten oder am Besten? „am besten“ wird kleingeschrieben, weil man mit „wie?“ fragen kann; groß nur als Substantiv: „das Beste“.
- Recht haben oder recht haben? Beide Schreibweisen sind erlaubt, der Duden empfiehlt „recht haben“; „im Recht sein“ und „zu Recht“ sind immer groß.
- Leidtun oder Leid tun? Seit 2006 gilt „leidtun“ zusammen und klein: es tut mir leid; „Leid“ groß nur als Substantiv.
- Im Nachhinein oder im nachhinein? Richtig ist „im Nachhinein“ – getrennt und groß.
- Im Allgemeinen oder im allgemeinen? Richtig ist „im Allgemeinen“ – wie im Großen und Ganzen, des Öfteren, im Wesentlichen.
- Sie oder sie? Die Höflichkeitsanrede Sie, Ihnen, Ihr wird immer groß-, das Pronomen sie (Plural/Feminin) kleingeschrieben.
- Auf Deutsch oder auf deutsch? Nach Präposition wird die Sprache großgeschrieben: auf Deutsch, in Englisch; das Adjektiv bleibt klein: die deutsche Sprache.
Gleich gesprochen, anders geschrieben
Homophone und Verwechslungswörter: Das Ohr hilft nicht, nur die Grammatik oder die Bedeutung.
- Das oder dass? Lässt sich das Wort durch „dieses“, „jenes“ oder „welches“ ersetzen, schreibt man „das“ – sonst „dass“. Zum Beitrag
- Seit oder seid? „seit“ mit t bezeichnet Zeit, „seid“ mit d ist die Verbform von „sein“ (ihr seid). Zum Beitrag
- Wieder oder wider? „wieder“ heißt erneut, „wider“ heißt gegen – deshalb widersprechen, Widerstand, widerspiegeln. Zum Beitrag
- Tot oder Tod? „der Tod“ ist das Substantiv (des Todes), „tot“ das Adjektiv (die toten Blätter). Zum Beitrag
- Dasselbe oder das Gleiche? „dasselbe“ meint ein und denselben Gegenstand, „das Gleiche“ zwei gleichartige Dinge. Zum Beitrag
- Als oder wie? Nach einem Komparativ steht „als“ (größer als), bei Gleichheit „wie“ (so groß wie).
- Scheinbar oder anscheinend? „scheinbar“ = nur dem Schein nach (in Wirklichkeit nicht), „anscheinend“ = allem Anschein nach (vermutlich wirklich).
- Wen oder wem? „wen“ fragt nach dem Akkusativ (für wen?), „wem“ nach dem Dativ (mit wem?).
- Mir oder mich? „mir“ ist Dativ (wem?), „mich“ Akkusativ (wen?) – das Verb entscheidet.
- Gern oder gerne? Beide Formen sind korrekt und gleichbedeutend; „gern“ gilt als die knappere Standardform.
- Man oder Mann? „man“ ist das unbestimmte Pronomen (man sagt), „Mann“ das Substantiv (der Mann).
- Wart oder ward? „ihr wart“ (von sein) schreibt man mit t; „ward“ ist eine veraltete Form von „werden“ (es ward Licht).

Wörter, die fast alle falsch schreiben
Hier gibt es keine Varianten – nur eine richtige Form und einen hartnäckigen Fehler.
- Standard oder Standart? Richtig ist nur „Standard“ mit d – „Standart“ ist ein Fehler.
- Separat oder seperat? Richtig ist „separat“ – wie im lateinischen „separare“.
- Brillant oder brilliant? Im Deutschen heißt es „brillant“ (ohne zweites i); „brilliant“ ist Englisch.
- Galerie oder Gallerie? Richtig ist „Galerie“ mit einem l – „Gallery“ ist die englische Form.
- Rhythmus oder Rhytmus? Richtig ist „Rhythmus“ – mit h nach dem R und th in der Mitte.
- Terrasse oder Terasse? Richtig ist „Terrasse“ – mit rr und ss.
- Bisschen oder bischen? Richtig ist „ein bisschen“ – klein, mit ss; „bißchen“ ist alt, „bischen“ falsch.
- Nämlich oder nähmlich? Richtig ist „nämlich“ – ohne h, abgeleitet von „Name“.
- Endgültig oder entgültig? Richtig ist „endgültig“ – von „Ende“, nicht von „ent-“.
- Vielleicht oder vieleicht? Richtig ist „vielleicht“ mit ll – aus „viel“ und „leicht“.
Verbformen und Partizipien
Starke und schwache Verben, transitiv und intransitiv – oft sind beide Formen richtig, aber nicht austauschbar.
- Gewinkt oder gewunken? Standardsprachlich korrekt ist „gewinkt“; „gewunken“ ist umgangssprachlich verbreitet, aber nicht die Normform.
- Gehangen oder gehängt? „gehangen“ gehört zum intransitiven hängen (das Bild hat gehangen), „gehängt“ zum transitiven (ich habe es gehängt).
- Erschrocken oder erschreckt? „erschrocken“ = ich bin erschrocken (selbst), „erschreckt“ = ich habe jemanden erschreckt.
- Gesendet oder gesandt? Technisch übertragen heißt „gesendet“ (E-Mail, Radio); „gesandt“ ist die gehobene Form für „geschickt“.
Alte oder neue Rechtschreibung?
Reformschreibungen: Manche alte Form ist bis heute erlaubt, andere gilt seit 1996 als Fehler.
- Albtraum oder Alptraum? Beide Schreibweisen sind erlaubt; der Duden empfiehlt „Albtraum“.
- Delfin oder Delphin? Beide Formen sind korrekt; der Duden empfiehlt „Delfin“.
- Schifffahrt oder Schiffahrt? Richtig ist „Schifffahrt“ mit drei f (Schiff + Fahrt); „Schiffahrt“ ist die alte Schreibweise.
- Stopp oder Stop? Im Deutschen heißt es „Stopp“ mit pp; „Stop“ steht nur auf dem Verkehrsschild und in englischen Zusammenhängen.
- Thunfisch oder Tunfisch? Beide Schreibweisen sind zulässig; der Duden empfiehlt „Thunfisch“.
- Portemonnaie oder Portmonee? Beide Formen sind korrekt; empfohlen wird „Portemonnaie“.
- Friseur oder Frisör? Beide Schreibweisen sind erlaubt; „Friseur“ ist die üblichere und empfohlene Form.
- Spaghetti oder Spagetti? Beide Schreibweisen sind zulässig; der Duden empfiehlt „Spaghetti“.
- Känguru oder Känguruh? Richtig ist „Känguru“ – das h ist seit 1996 weggefallen.
- Tipp oder Tip? Richtig ist „Tipp“ mit pp; „Tip“ ist die alte Schreibweise.
Warum diese Fehler so hartnäckig sind
Die meisten Zweifelsfälle haben eine von drei Ursachen. Erstens die Auslautverhärtung: Ein d am Wortende klingt wie ein t, deshalb hört man den Unterschied zwischen seid und seit nicht. Zweitens die Rechtschreibreform: Zwischen 1996 und 2006 wurden viele Schreibungen erst getrennt, dann als Variante wieder zugelassen – wer in dieser Zeit zur Schule ging, hat oft zwei Regeln gelernt. Drittens die Autokorrektur: Sie kennt „Standart“ nicht als Fehler, wenn das Wort in den Nutzerwörterbüchern gelandet ist, und sie unterscheidet nicht zwischen „das“ und „dass“, weil beide existieren.
Die Rechtschreibung ist keine Ansammlung von Ausnahmen, sondern ein System weniger Prinzipien – Stammschreibung, Wortart, Bedeutung. Wer die Prinzipien kennt, braucht die Ausnahmen nicht auswendig zu lernen.
Grundgedanke des amtlichen Regelwerks der deutschen Rechtschreibung
Nur eine Form richtig – oder beide erlaubt?
| Nur eine Form richtig | Beide Formen erlaubt (Duden-Empfehlung zuerst) |
|---|---|
| im Voraus, des Weiteren, vor allem, im Nachhinein | zu Hause / zuhause, nach Hause / nachhause |
| Standard, separat, brillant, Galerie, Rhythmus | sodass / so dass, aufgrund / auf Grund, infrage / in Frage |
| Terrasse, bisschen, nämlich, endgültig, vielleicht | kennenlernen / kennen lernen, imstande / im Stande |
| Schifffahrt, Känguru, Tipp, Stopp | Albtraum / Alptraum, Delfin / Delphin, Thunfisch / Tunfisch |
| zumindest, nichtsdestotrotz, wie viel | Portemonnaie / Portmonee, Friseur / Frisör, Spaghetti / Spagetti |
Häufige Fragen
Welcher Rechtschreibfehler ist der häufigste im Deutschen?
Nach übereinstimmenden Auswertungen von Korrekturprogrammen und Suchanfragen steht die Verwechslung von das und dass an der Spitze, gefolgt von seit/seid und den Getrennt-/Zusammenschreibungen wie zurzeit und zu Hause.
Gilt die Duden-Empfehlung als Pflicht?
Nein. Verbindlich ist nur das amtliche Regelwerk, das bei vielen Wörtern zwei Schreibweisen zulässt. Die Duden-Empfehlung ist eine Hilfe für alle, die sich festlegen möchten – Redaktionen und Schulen folgen ihr in der Regel.
Wie merke ich mir 60 Regeln?
Gar nicht. Merken Sie sich die drei Proben oben und die sechs Gruppen. Fast jeder Einzelfall lässt sich damit ableiten.
Wird diese Liste erweitert?
Ja. Zu jedem Zweifelsfall erscheint ein eigener Beitrag; die Übersicht wird mit jedem neuen Beitrag ergänzt und verlinkt.
Fazit
Die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen lassen sich auf wenige Muster zurückführen. Wer die Kurzantworten dieser Liste kennt und die drei Proben anwenden kann, schreibt Bewerbungen, Verträge und E-Mails ohne die Fehler, die am schnellsten auffallen. Beginnen Sie mit den beiden Klassikern das oder dass und seit oder seid – sie allein machen einen großen Teil aller Fehler aus.