Im Voraus oder im Vorraus? Nur eine Schreibweise ist richtig

„Vielen Dank im Voraus“ steht unter Millionen E-Mails – und erstaunlich oft falsch. Bei der Frage im Voraus oder im Vorraus gibt es keine zwei Möglichkeiten: Richtig ist ausschließlich im Voraus, großgeschrieben und mit einem einzigen r. Die Schreibung mit doppeltem r ist ein Fehler, die alte Kleinschreibung im voraus seit der Reform ebenfalls. compakt.de/ erklärt, wo die beiden Fehler herkommen, warum „Vorrat“ trotzdem zwei r hat und wie Sie die Dankesformel so formulieren, dass sie nicht aufdringlich wirkt. Der Beitrag ist Teil unserer Übersicht der häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.

Die Kurzantwort

  • im Voraus – richtig: Vielen Dank im Voraus. Die Miete ist im Voraus zu zahlen.
  • im Vorraus – falsch: Das Wort besteht aus vor und aus, es gibt kein zweites r.
  • im voraus – veraltet: Vor 1996 zulässig, heute nicht mehr.
Infografik: im Voraus richtig, im Vorraus und im voraus falsch
Ein r, großes V: Nur „im Voraus“ besteht die Prüfung.

Warum nur ein r: vor + aus

„Voraus“ ist eine Zusammensetzung aus der Präposition vor und dem Adverb aus. Beide Bestandteile bringen nur ein r mit, und in der Zusammensetzung wird kein Buchstabe verdoppelt. Dieselbe Bildung steckt in vorausgehen, vorausschauen, voraussichtlich, vorausgesetzt, Voraussetzung – überall ein r. Wer die Wörter laut spricht, hört den Unterschied: Bei „voraus“ liegt die Betonung auf der zweiten Silbe (vor-AUS), der Vokal davor bleibt lang.

Das doppelte r entsteht durch Verwechslung mit Wörtern, in denen auf „vor“ ein zweiter Bestandteil mit r folgt: Vor-rat, Vor-rang, Vor-richtung, Vor-runde. Dort treffen zwei r aufeinander, weil beide Teile eines mitbringen. Bei „voraus“ fehlt der zweite Lieferant.

Wort Bausteine Schreibung
Voraus vor + aus ein r
Vorrat vor + Rat zwei r
Vorrang vor + Rang zwei r
voraussichtlich vor + aus + sichtlich ein r
Vorrichtung vor + Richtung zwei r

Warum groß: Substantivierung nach „im“

Die zweite Fehlerquelle betrifft die Großschreibung. Steht ein Adverb nach einer verschmolzenen Präposition mit Artikel – im, am, zum, beim –, wird es wie ein Substantiv behandelt und großgeschrieben. Deshalb heißt es im Voraus, im Nachhinein, im Vorhinein, im Allgemeinen, im Übrigen. Vor 1996 galt hier die Kleinschreibung; die Reform hat sie abgeschafft, weil das „im“ das Wort grammatisch zu einem Substantiv macht.

Als Substantive werden auch Adverbien behandelt, wenn sie mit einem Artikel oder einer Präposition-Artikel-Verschmelzung gebraucht werden.

Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Abschnitt D (Groß- und Kleinschreibung)

Das Prinzip ist dasselbe, das auch bei anderen Zeit- und Umstandsangaben greift. Wer einmal verstanden hat, warum zurzeit oder zur Zeit unterschiedlich geschrieben werden, erkennt die Logik auch hier: Sobald aus einer Wortgruppe eine feste Fügung wird, ändern sich Groß- und Getrenntschreibung.

Wann „voraus“ klein bleibt

Ohne „im“ ist „voraus“ ein gewöhnliches Adverb und wird kleingeschrieben: Sie ging den anderen voraus. Er ist seiner Zeit voraus. Das Team lag zur Halbzeit mit zwei Toren voraus. Auch in Verben bleibt es klein: vorausgehen, voraussetzen, vorausplanen. Nur die feste Fügung mit „im“ macht das Wort groß.

Infografik: Alternativen zu Vielen Dank im Voraus in E-Mails
Richtig geschrieben – aber ist „Vielen Dank im Voraus“ auch höflich? Drei Alternativen.

„Vielen Dank im Voraus“: richtig, aber nicht immer klug

Die Formel ist korrekt, gilt in der Geschäftskorrespondenz aber zunehmend als heikel. Sie bedankt sich für etwas, das der Empfänger noch nicht getan hat – und setzt damit voraus, dass er es tun wird. Viele Ratgeber für Geschäftsbriefe empfehlen 2026 deshalb Alternativen, die dieselbe Absicht ohne Druck ausdrücken:

  1. Vielen Dank für Ihre Unterstützung. – neutral, für jede Anfrage geeignet.
  2. Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung. – freundlich, wenn eine Antwort erwartet wird.
  3. Für Ihre Mühe bedanke ich mich herzlich. – etwas förmlicher, für Behörden und Vorgesetzte.

Wer die klassische Formel dennoch verwenden möchte, etwa in einer Bitte an Kollegen, sollte sie zumindest richtig schreiben: Vielen Dank im Voraus – ein r, großes V.

Beispiele aus Vertrag, Miete und Alltag

  • Die Miete ist monatlich im Voraus zu entrichten.
  • Bitte teilen Sie uns Änderungen im Voraus mit.
  • Der Ticketpreis wird im Voraus bezahlt.
  • Wir bedanken uns im Voraus für Ihr Verständnis.

In Mietverträgen gehört der Ausdruck zu den Standardformulierungen; ein doppeltes r in einem Vertragstext wirkt unprofessionell und wird von aufmerksamen Lesern sofort bemerkt.

Eselsbrücke

„Voraus“ – vor und aus, kein Vorrat an r. Wer sich das Bild vom „Vorrat“ mit zwei r als Gegenstück merkt, verwechselt die beiden nie wieder. Für die Großschreibung hilft die Frage: Steht „im“ davor? Wenn ja, wird großgeschrieben – wie bei im Nachhinein und im Allgemeinen.

Kurztest

  1. Vielen Dank ___ für Ihre Antwort.
  2. Die Gebühr wird jährlich ___ berechnet.
  3. Er war seiner Zeit weit ___.
  4. Wir haben genug ___ an Kerzen für den Winter.
  5. ___ war das nicht absehbar.

Lösungen: 1 im Voraus · 2 im Voraus · 3 voraus (klein, ohne „im“) · 4 Vorrat (zwei r) · 5 Im Nachhinein.

Häufige Fragen

Ist „im vorraus“ eine erlaubte Nebenform?

Nein. Die Schreibung mit zwei r ist in keinem Wörterbuch verzeichnet und gilt immer als Fehler.

Wie schreibt man „im Vorhinein“?

Wie „im Voraus“: groß, ein r. Das Wort ist vor allem in Österreich gebräuchlich und bedeutet dasselbe.

Warum steht „Voraus“ in „Vielen Dank im Voraus“ groß, obwohl es kein Ding ist?

Weil die Verbindung „im“ + Adverb grammatisch wie ein Substantiv funktioniert. Die Großschreibung folgt der Form, nicht der Bedeutung.

Was ist mit „vorab“?

„Vorab“ ist ein Adverb und wird kleingeschrieben: Vorab vielen Dank. Es ist eine gute Alternative, wenn man die Konstruktion mit „im“ vermeiden möchte.

Fazit

Im Voraus oder im Vorraus ist kein Zweifelsfall, sondern hat eine einzige richtige Lösung: im Voraus – ein r, großes V. Merken Sie sich vor + aus und die Großschreibung nach „im“, und der Fehler gehört der Vergangenheit an. Ein ähnlicher Fall, bei dem viele fälschlich zwei Varianten vermuten, ist zuhause oder zu Hause – dort sind allerdings tatsächlich beide erlaubt. Die Regeln dahinter erklärt unser Beitrag zur Getrennt- und Zusammenschreibung; alle Zweifelsfälle mit Kurzantwort finden Sie in der Übersicht der 60 häufigsten Rechtschreibfehler.