Der letzte Satz der Bewerbung ist fast fertig, der Cursor blinkt hinter „Ich freue mich darauf, Sie persönlich …“ – und dann kommt die Frage: kennenlernen oder kennen lernen? Die gute Nachricht: Beide Schreibweisen sind korrekt, der Duden empfiehlt die Zusammenschreibung kennenlernen. Wer kennen lernen schreibt, macht ebenfalls keinen Fehler. Nur das Substantiv kennt keine Wahl: das Kennenlernen steht immer zusammen und groß. compakt.de/ zeigt, warum ausgerechnet dieses Verb eine Ausnahme von der Verb-plus-Verb-Regel ist, wie die Formen im Perfekt und mit „zu“ aussehen und welche Variante in Bewerbung, Onboarding-Mail und Dating-Profil die sichere Wahl ist. Der Beitrag gehört zu unserer Serie über die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.
Kurz und bündig
- kennenlernen – zusammen, vom Duden empfohlen: Wir wollen uns besser kennenlernen.
- kennen lernen – getrennt, ebenfalls korrekt: Wir wollen uns besser kennen lernen.
- das Kennenlernen – Substantiv, nur zusammen und groß: ein erstes Kennenlernen.
Entscheiden Sie sich für eine Form und halten Sie sie im gesamten Text durch. Ein Wechsel zwischen kennengelernt und kennen gelernt in derselben Mail ist zwar kein Regelverstoß, wirkt aber so, als hätten Sie die Frage für sich selbst nie geklärt.
Warum Verb + Verb normalerweise getrennt bleibt
Treffen zwei Verben aufeinander, schreibt man sie im Deutschen grundsätzlich getrennt: spazieren gehen, laufen lernen, schwimmen gehen, singen hören. Beide Verben behalten dabei ihre eigene Bedeutung – wer laufen lernt, lernt tatsächlich das Laufen. Diese Grundregel gehört zu den verlässlichsten in der gesamten Getrennt- und Zusammenschreibung, weil sie nur wenige Ausnahmen kennt.
Eine dieser Ausnahmen ist kennenlernen. Wer jemanden kennenlernt, „lernt“ nicht im schulischen Sinn und „kennt“ die Person auch noch nicht – die Verbindung hat eine eigene, übertragene Bedeutung: jemandem begegnen, mit jemandem vertraut werden. Genau dann erlaubt das Regelwerk neben der Getrennt- auch die Zusammenschreibung. Dieselbe Logik gilt für sitzenbleiben (nicht versetzt werden), liegenlassen (vergessen) und stehenbleiben (anhalten). Wer dagegen wörtlich auf seinem Stuhl sitzen bleibt, schreibt getrennt.
Verbindungen aus zwei Verben werden getrennt geschrieben. Entsteht durch die Verbindung eine neue, übertragene Bedeutung, ist daneben auch die Zusammenschreibung zulässig.
Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung

Alle Formen auf einen Blick
Die Wahlfreiheit betrifft jede Verbform – vom Infinitiv bis zum Partizip. Nur im Präsens fällt der Unterschied weg, weil das Verb ohnehin auseinandertritt: ich lerne kennen, du lernst kennen.
| Form | Zusammen (Duden-Empfehlung) | Getrennt (ebenfalls korrekt) |
|---|---|---|
| Infinitiv | kennenlernen | kennen lernen |
| Präsens | ich lerne kennen | ich lerne kennen |
| Perfekt | ich habe kennengelernt | ich habe kennen gelernt |
| Infinitiv mit „zu“ | kennenzulernen | kennen zu lernen |
| Substantiv | das Kennenlernen | – (keine getrennte Form) |
Auffällig ist die Zeile mit „zu“: In der Zusammenschreibung rutscht das zu in die Mitte des Wortes (kennen + zu + lernen), in der Getrenntschreibung steht es als eigenes Wort zwischen den beiden Verben. Beides ist korrekt – eine Mischform wie kennen zulernen dagegen nicht.
Dreimal umgeschrieben: die Geschichte seit 1996
Kaum ein Wort hat die Reformjahre so deutlich zu spüren bekommen wie dieses. Vor 1996 gab es nur kennenlernen – zusammen, ohne Alternative. Die Rechtschreibreform von 1996 drehte das um: Verb plus Verb sollte grundsätzlich getrennt geschrieben werden, also hieß es zehn Jahre lang ausschließlich kennen lernen. Erst die Überarbeitung von 2006 erkannte an, dass die Verbindung eine eigene Bedeutung trägt, und ließ beide Schreibweisen zu. Seitdem empfiehlt der Duden die Zusammenschreibung.
Das Prinzip „zwei erlaubte Formen, eine Empfehlung“ kennen Sie vielleicht schon von zuhause oder zu Hause und von imstande oder im Stande. Und bei sodass oder so dass spricht der Duden ebenfalls eine klare Empfehlung aus, obwohl beide Formen korrekt sind.
Zum Kennenlernen: das Substantiv ohne Alternative
Sobald ein Artikel, eine Präposition mit Artikel oder ein Adjektiv davorsteht, ist aus dem Verb ein Substantiv geworden – und das schreibt man zusammen und groß: das Kennenlernen, zum Kennenlernen, ein erstes Kennenlernen. Hier ist die Getrenntschreibung nicht erlaubt; zum kennen lernen oder ein erstes Kennen lernen sind Fehler. Gerade in Onboarding-Mails („zum Kennenlernen des Teams“) und in Einladungen zum Vorstellungsgespräch taucht das Substantiv oft auf – und wird ebenso oft klein oder getrennt geschrieben.
Kennenlernen oder kennen lernen in Bewerbung, Onboarding und Dating 2026
Drei Situationen, in denen das Wort 2026 besonders häufig getippt wird – jeweils in der empfohlenen Schreibweise:
- In der Bewerbung: Ich freue mich darauf, Sie persönlich kennenzulernen. Der Klassiker als Schlusssatz; in der Getrenntschreibung lautet er Sie persönlich kennen zu lernen.
- Im Onboarding: Am Montag um zehn Uhr treffen wir uns zum Kennenlernen des Teams. Substantiv – nur zusammen und groß.
- Beim Dating: Ich habe ihn vor zwei Jahren beim Wandern kennengelernt. Perfekt, zusammen; getrennt: kennen gelernt.
Für Bewerbungen ist die Duden-Empfehlung die sichere Wahl: Niemand kann sie beanstanden, und Sie müssen sich keine Ausnahme merken. Wer sich für die Getrenntschreibung entscheidet, sollte das bewusst tun und im Anschreiben, im Lebenslauf und in jeder Folgemail dabei bleiben.
Typische Stolperfallen
- zum kennenlernen → zum Kennenlernen (Substantiv nach „zum“)
- ein erstes Kennen lernen → ein erstes Kennenlernen (Substantiv nie getrennt)
- kennen zulernen → kennenzulernen oder kennen zu lernen
- Wir haben uns kennengelernt und wollen uns weiter kennen lernen. → eine Form wählen und durchhalten
Merksatz: Wer unsicher ist, schreibt zusammen – kennenlernen ist in jeder Form erlaubt und vom Duden empfohlen. Beim Substantiv gibt es ohnehin keine Wahl.
Fragen aus der Suchleiste
Heißt es kennengelernt oder kennen gelernt?
Beides ist richtig. Der Duden empfiehlt kennengelernt; kennen gelernt ist seit 2006 ebenfalls zulässig.
Ist kennenzulernen ein Wort?
Ja. Der Infinitiv mit „zu“ lautet zusammengeschrieben kennenzulernen, getrennt kennen zu lernen. Beide Varianten sind korrekt.
Warum wird kennenlernen zusammengeschrieben, spazieren gehen aber nicht?
Weil kennenlernen eine übertragene Bedeutung hat – jemandem begegnen, vertraut werden. Bei spazieren gehen behalten beide Verben ihren wörtlichen Sinn, deshalb bleibt nur die Getrenntschreibung.
Wie schreibt man „zum Kennenlernen“?
Immer zusammen und groß, weil nach „zum“ ein Substantiv steht. Zum kennen lernen ist falsch.
Fazit
Bei kennenlernen oder kennen lernen können Sie nichts falsch machen, solange Sie konsequent bleiben – und das Substantiv das Kennenlernen zusammen und groß schreiben. Die Empfehlung des Dudens lautet kennenlernen, kennengelernt, kennenzulernen. Welche anderen Verbverbindungen getrennt bleiben müssen, erklärt unser Grundlagenbeitrag zur Getrennt- und Zusammenschreibung; alle Zweifelsfälle mit Kurzantwort finden Sie in der Übersicht der häufigsten Rechtschreibfehler.