Groß- und Kleinschreibung: Regeln, Ausnahmen und die typischen Fallen

Groß oder klein? Diese Frage stellt sich in einem deutschen Text alle paar Wörter – und sie lässt sich mit einer einzigen Grundregel beantworten: Substantive und alles, was wie ein Substantiv gebraucht wird, schreiben Sie groß; Verben, Adjektive, Adverbien und Pronomen bleiben klein, dazu kommt der Satzanfang. Wer für die Groß- und Kleinschreibung Regeln sucht, die im Alltag wirklich tragen, braucht deshalb vor allem eines: ein sicheres Gespür dafür, wann ein Wort gerade zum Substantiv wird. compakt.de/ erklärt die Signalwörter, die drei Proben und die Klassiker von am besten bis heute Morgen. Der Beitrag ist der Grundlagentext zur Großschreibung in unserer Serie über die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.

Kurz gefasst: was groß und was klein bleibt

  • Groß: Substantive (der Vertrag, die Antwort), Substantivierungen (das Lesen, beim Essen, etwas Schönes), jeder Satzanfang und die Anrede Sie, Ihnen, Ihr.
  • Klein: Verben, Adjektive, Adverbien und Pronomen – auch dann, wenn sie neben einem Substantiv stehen (ein roter Ball, morgens, am besten).
  • Im Zweifel entscheiden drei Proben: Artikelprobe, Frageprobe, Erweiterungsprobe.

Substantive und substantivisch gebrauchte Wörter werden großgeschrieben; alle übrigen Wörter schreibt man klein, sofern sie nicht am Satzanfang stehen oder zur Höflichkeitsanrede gehören.

Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Abschnitt D: Groß- und Kleinschreibung (§ 53–65)

Schwierig wird es erst, wenn ein Verb oder Adjektiv die Rolle eines Substantivs übernimmt.

Vier Signale: So erkennen Sie eine Substantivierung

Ein Verb oder Adjektiv wird zum Substantiv, sobald ein Begleiter davorsteht, der sonst nur Substantiven zusteht:

  1. Artikel – der, die, das, ein: das Lesen, das Beste, ein Lächeln.
  2. Verschmolzene Präposition + Artikel – am, im, zum, beim, ins: beim Essen, im Folgenden, des Öfteren, ins Blaue.
  3. Possessivpronomen – mein, dein, sein: mein Zögern, sein Schweigen.
  4. Indefinitpronomen – alles, etwas, nichts, viel, wenig: etwas Schönes, nichts Neues, alles Gute, viel Interessantes.

Die vierte Gruppe wird in E-Mails gern übersehen: alles Gute braucht ein großes G, weil alles das Adjektiv zum Substantiv macht.

Infografik: Sechs Signale für Großschreibung
Sechs Signale für Großschreibung

Artikel, Frage, Erweiterung: die Proben für den Zweifelsfall

Fehlt ein Signalwort, helfen drei Proben, die Sie in Sekunden im Kopf durchspielen:

  1. Artikelprobe: Lässt sich ein Artikel davorsetzen, ohne dass der Satz kippt? Das Lesen fällt ihm leicht – ja, also groß. Er kann gut lesendas lesen ergibt keinen Sinn, also klein.
  2. Frageprobe: Fragen Sie nach dem Wort mit wie?, ist es ein Adverb oder Adjektiv und bleibt klein: Er läuft am schnellsten (wie läuft er?). Fragen Sie mit was?, ist es ein Substantiv: Das Schnellste war der Zug (was war der Zug?).
  3. Erweiterungsprobe: Folgt auf das fragliche Wort ein Substantiv, ist es ein gewöhnliches Adjektiv und wird klein: im allgemeinen Sprachgebrauch. Fehlt das Substantiv, ist das Adjektiv selbst zum Substantiv geworden: im Allgemeinen.

Die drei Proben widersprechen sich nie; meist genügt eine.

Nach am, im und zum: wann groß, wann klein

Steht nach am ein Superlativ, mit dem Sie nach wie? fragen können, bleibt er klein: am besten, am schnellsten, am liebsten. Lässt sich am dagegen in an dem auflösen, ist das Adjektiv substantiviert und wird groß: Es fehlt am Nötigsten (an dem Nötigsten). Warum der Superlativ so hartnäckig mit großem B geschrieben wird, zeigt der Beitrag am besten groß oder klein.

Anders liegt der Fall bei Wendungen, in denen sich das Wort nach im, am oder zum verselbstständigt hat und die Frage wie? nicht mehr zulässt. Sie werden groß: im Voraus, im Nachhinein, im Allgemeinen, im Übrigen, im Wesentlichen, zum Beispiel, zu Recht, zu Hause. Bei im Voraus stolpern viele weniger über das große V als über ein überflüssiges r, wie der Beitrag zu im Voraus oder im Vorraus zeigt.

Und nicht jede Fügung aus Präposition und Substantiv folgt diesem Muster. Bei zurzeit oder zur Zeit etwa entscheidet die Bedeutung, ob Sie zusammen und klein oder getrennt und groß schreiben.

Wo die Groß- und Kleinschreibung Regeln braucht: Tageszeiten, Anrede, Sprachen, Zahlen

Für einige Wortgruppen gelten eigene Festlegungen:

Bereich Groß Klein Woran Sie es erkennen
Tageszeiten heute Morgen, gestern Abend, morgen Mittag morgens, abends, montags, morgen früh Nach heute, gestern, morgen ist die Tageszeit ein Substantiv; -s-Formen sind Adverbien.
Anrede Sie, Ihnen, Ihr du, ihr, dein (in Briefen empfohlen; Großschreibung seit 2006 erlaubt) Die Höflichkeitsform ist immer groß.
Sprachen auf Deutsch, in Englisch die deutsche Sprache Nach Präposition ohne Substantiv groß; als Adjektiv vor einem Substantiv klein.
Farben in Rot, das Blau ein roter Ball Mit Artikel oder nach Präposition ist die Farbe ein Substantiv.
Zahlen als Erster, am Ersten des Monats, Hunderte, Tausende hundert, tausend, hunderte, tausende Hunderte/hunderte, Tausende/tausende sind beide erlaubt; als Erster und das Datum sind groß.
Ortsnamen Berliner Luft, Schweizer Käse, Bayerischer Wald bayerische Küche Ableitungen auf -er groß, auf -isch klein – außer in Eigennamen wie Deutsche Bahn.

Bei den Tageszeiten kreuzen sich zwei Regeln: heute Morgen mit großem M, aber morgen früh klein, weil früh kein Substantiv ist. Alle Kombinationen sortiert der Beitrag heute Morgen groß oder klein.

Feste Wendungen: Recht haben, leidtun, Rad fahren

Bei Verbindungen aus Substantiv und Verb entscheidet die Frage, ob das Substantiv noch als solches empfunden wird. Ist das der Fall, bleibt es groß und getrennt: Angst haben, Schuld haben, Bescheid geben, Rad fahren, Ernst machen. Ist es zum bloßen Bestandteil verblasst, wird klein und meist zusammen geschrieben: schuld sein, ernst nehmen, pleitegehen, leidtun. Dass Groß- und Kleinschreibung hier mit der Getrennt- und Zusammenschreibung ineinandergreifen, ist kein Zufall: Beide Fragen beantwortet dieselbe Überlegung, nämlich ob ein eigenständiges Substantiv im Satz steht.

Ein Sonderfall bleibt recht haben: Das Regelwerk erlaubt recht haben und Recht haben; der Duden empfiehlt die kleine Form. Wer für Firma oder Behörde schreibt, hält sich am besten daran – und bleibt innerhalb eines Textes bei einer Variante.

Infografik: Die Klassiker – falsch und richtig
Die Klassiker – falsch und richtig

Die Klassiker in Bewerbung und E-Mail 2026

Diese Paare tauchen in Anschreiben, Angeboten und Behördenpost immer wieder auf – links falsch, rechts richtig:

  1. am Bestenam besten (Frage: wie? – aber: das Beste)
  2. heute morgenheute Morgen (aber: morgens)
  3. auf deutschauf Deutsch (aber: deutsch sprechen ist klein möglich)
  4. im Allgemeinen Sprachgebrauchim allgemeinen Sprachgebrauch (aber: im Allgemeinen)
  5. es tut mir Leides tut mir leid
  6. vielen Dank im vorausvielen Dank im Voraus

Die Fehler gehen in beide Richtungen: Mal wird ein Adverb zum Substantiv geadelt (am Besten), mal ein Substantiv zum Adverb degradiert (heute morgen). Wer das Anschreiben ohnehin Korrektur liest, prüft im selben Durchgang den zweiten Klassiker, der Personalern sofort auffällt: das oder dass.

Häufige Fragen

Schreibt man „heute Morgen“ oder „heute morgen“?

Nach heute, gestern und morgen wird die Tageszeit großgeschrieben: heute Morgen, gestern Abend, morgen Mittag. Klein bleiben die Adverbien auf -s (morgens, abends) und die Wendung morgen früh.

Ist „am Besten“ jemals richtig?

Nur, wenn sich am in an dem auflösen lässt, wie in Es fehlt am Nötigsten. Als Superlativ, nach dem Sie mit wie? fragen, ist am besten immer klein.

Wird „du“ in Briefen groß- oder kleingeschrieben?

Die Kleinschreibung von du, ihr, dein ist die empfohlene Form; seit 2006 ist die Großschreibung in Briefen aber erlaubt. Die Höflichkeitsanrede Sie, Ihnen, Ihr ist immer groß.

Heißt es „Recht haben“ oder „recht haben“?

Beides ist zulässig; der Duden empfiehlt recht haben. Eindeutig klein ist dagegen leidtun, eindeutig groß sind Angst haben und Rad fahren.

Fazit

Für die Groß- und Kleinschreibung Regeln auswendig zu lernen, ist gar nicht nötig – es genügt eine Frage: Wird dieses Wort gerade wie ein Substantiv gebraucht? Artikel, verschmolzene Präposition, Possessiv- und Indefinitpronomen sagen Ja; die Frage wie? und ein nachfolgendes Substantiv sagen Nein. Die Sonderregeln für Tageszeiten, Anrede, Sprachen und Zahlen stehen in der Tabelle oben. Alle weiteren Zweifelsfälle behandelt unsere Übersicht der häufigsten Rechtschreibfehler in eigenen Beiträgen.