Leidtun oder Leid tun? Es tut mir leid – so schreiben Sie es 2026 richtig

Sie schreiben gerade eine Entschuldigungsmail an einen Kunden, der Cursor steht hinter „Es tut uns“ – und plötzlich zögern Sie: leid oder Leid? Die Antwort ist seit 2006 eindeutig: leidtun wird zusammen- und kleingeschrieben, also Es tut uns leid. Die Großschreibung Leid tun, die viele noch aus der Schulzeit kennen, ist ein Fehler. Bei leidtun oder leid tun hat sich die Regel innerhalb weniger Jahre zweimal gedreht, erklärt compakt.de/ – deshalb geistern bis heute drei Varianten durch Mails und Chats. Dieser Beitrag gehört zu unserer Serie über die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.

Die Regel, die heute gilt

  • leidtun – zusammen, klein: Das wird dir noch leidtun.
  • Getrennt nur, wenn das Verb im Satz auseinandertritt: Es tut mir leid. Du tust mir leid.
  • Partizip wieder zusammen: Es hat mir leidgetan.

Das Verb ist trennbar wie wehtun: Im Infinitiv und im Partizip bleibt es ein Wort (leidtun, leidgetan), in den gebeugten Formen wandert leid ans Satzende (tut … leid). In beiden Fällen bleibt es klein – und genau darin liegt die Lösung des alten Streits.

Infografik: Drei Regelstände, eine gültige Form
Drei Regelstände, eine gültige Form

Drei Regelstände in dreißig Jahren

Kaum ein anderes Wort zeigt so deutlich, wie die Rechtschreibreform hin- und hergependelt ist:

Zeitraum Schreibweise Deutung Status heute
vor 1996 leid tun klein, getrennt veraltet
1996 bis 2006 Leid tun groß, als Substantiv gedeutet Fehler
seit 2006 leidtun zusammen, klein einzige gültige Form

Die Zwischenphase erklärt, warum Es tut mir Leid so hartnäckig ist: Wer zwischen 1996 und 2006 zur Schule ging oder damals seine Rechtschreibung umgestellt hat, hat die Großschreibung als „neu und richtig“ gelernt. Seit 2006 ist sie es nicht mehr. Die Reform von 1996 hatte Leid als Substantiv gedeutet; 2006 wurde das korrigiert. Der Grund leuchtet ein: Niemand denkt bei es tut mir leid an echtes Leid, sondern an Bedauern. Das Substantiv ist im Verb verblasst – und verblasste Substantive werden klein- und zusammengeschrieben.

Leidtun oder Leid tun: Wann „Leid“ groß bleibt

Die Großschreibung ist nicht verschwunden, sie hat nur ihren Platz gewechselt. Leid mit großem L steht dort, wo es ein echtes Substantiv ist – mit Artikel, mit Adjektiv oder in festen Wendungen:

  • Sie hat großes Leid erfahren.
  • In Freud und Leid zusammenhalten.
  • Niemand darf ihm ein Leid antun.
  • Sie hat sich nichts zuleide getan – hier sind zuleide und zu Leide beide erlaubt.

Kleingeschrieben bleibt leid dagegen überall dort, wo es kein Substantiv ist: im Verb leidtun, in der Wendung ich bin es leid (leid sein) sowie in den Ableitungen leider und leidig. Wie Sie Substantiv und Nicht-Substantiv in solchen Fällen sicher auseinanderhalten, zeigt unser Grundlagenbeitrag zur Groß- und Kleinschreibung – mit allen Regeln, Ausnahmen und typischen Fallen.

Verbindungen aus einem verblassten Substantiv und einem Verb werden zusammen- und kleingeschrieben, wenn das Substantiv seine Eigenständigkeit verloren hat. Leidtun gehört seit 2006 fest in diese Gruppe.

Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung

Die Familie der verblassten Substantive

Dass ein ehemaliges Substantiv im Verb aufgeht und dann kleingeschrieben wird, ist kein Sonderfall. Eine ganze Gruppe folgt demselben Muster – zusammen und klein:

  • pleitegehen – Die Firma ist pleitegegangen.
  • kundtun – Er tat seine Meinung kund.
  • wehtun – Der Rücken tut mir weh.
  • standhalten – Die Brücke hält dem Druck stand.
  • stattfinden – Die Sitzung findet morgen statt.
  • teilnehmen – Sie nimmt am Kurs teil.
  • preisgeben – Er gab das Geheimnis preis.
  • eislaufen – Wir sind gestern eisgelaufen.

Merken Sie sich wehtun als Zwilling: Es tut mir leid – drei Kleinbuchstaben am Ende, wie es tut mir weh. Wer weh klein schreibt, schreibt auch leid klein.

Nicht jede Verbindung mit einem alten Substantiv ist so glatt entschieden. Bei recht haben – groß oder klein ringt die Regel bis heute mit der Gewohnheit, und bei zurecht oder zu Recht entscheidet sogar die Bedeutung über die Schreibweise. Auch die Frage imstande oder im Stande gehört in diese Verwandtschaft.

Formulierungen aus Kundenservice, Chat und Mail 2026

Nirgends fällt der Fehler so schnell auf wie in einer Entschuldigung – denn dort liest der Empfänger besonders genau. Diese Sätze sind korrekt:

  • Es tut uns leid, dass Ihre Bestellung verspätet ankommt. (Kundenservice)
  • Tut mir leid, ich schaffe es heute nicht. (Chat)
  • Es tut mir aufrichtig leid, dass ich den Termin verschieben musste. (Entschuldigungsmail)
  • Das hat mir wirklich leidgetan.
  • Die Kollegin tut mir leid – sie hat das ganze Wochenende gearbeitet.

Beachten Sie im ersten Beispiel das Komma: Nach leid beginnt ein Nebensatz mit dass, und der wird ganz normal abgetrennt. Die Kleinschreibung von leid ändert daran nichts – das Wort ist Teil des Verbs, nicht das Ende einer Aufzählung.

Kurztest mit Lösungen

  1. Es tut mir ___, ich habe die Mail übersehen.
  2. Das wird ihm noch ___.
  3. Nach dem Unfall hatte die Familie viel ___ zu tragen.
  4. Ich bin es ___, ständig zu warten.
  5. Es hat uns sehr ___, dass Sie so lange warten mussten.

Lösungen: 1 leid · 2 leidtun · 3 Leid · 4 leid · 5 leidgetan.

Was Leser dazu häufig fragen

Heißt es „Es tut mir leid“ oder „Es tut mir Leid“?

Es tut mir leid – klein. Die Großschreibung war nur zwischen 1996 und 2006 gültig und gilt seitdem als Fehler.

Schreibt man leidtun oder leid tun im Infinitiv?

Zusammen: leidtun. Nur in gebeugten Formen tritt das Verb auseinander: es tut leid, es tat leid. Das Partizip ist wieder ein Wort: leidgetan.

Warum „Es tut mir leid“, aber „Freud und Leid“?

Im Verb ist leid verblasst und wird kleingeschrieben. In Freud und Leid ist es ein echtes Substantiv – daher groß.

Ist „zu Leide tun“ falsch?

Nein. Hier sind beide Schreibweisen erlaubt: zuleide tun und zu Leide tun. Nur bei leidtun gibt es keine Wahl.

Fazit: eine Form seit 2006

Leidtun oder leid tun – seit 2006 gibt es nur eine gültige Form: leidtun, zusammen und klein, in gebeugten Formen getrennt (es tut mir leid), im Partizip wieder zusammen (leidgetan). Groß bleibt Leid nur als echtes Substantiv. Wer Es tut mir Leid schreibt, folgt einer Regel, die seit zwanzig Jahren nicht mehr existiert. Weitere Zweifelsfälle mit Kurzantwort finden Sie in unserer Übersicht der häufigsten Rechtschreibfehler.