Doppelte Staatsbürgerschaft 2026: Wer darf zwei Pässe haben?

Seit der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts ist Mehrstaatigkeit in Deutschland grundsätzlich möglich. Der Ratgeber erklärt, wer 2026 zwei Pässe haben darf und welche Ausnahmen und Pflichten zu beachten sind.

Doppelte Staatsbürgerschaft 2026: Wer darf zwei Pässe haben?

Die doppelte Staatsbürgerschaft ist in Deutschland 2026 leichter möglich als früher. Seit dem 27. Juni 2024 müssen Eingebürgerte ihre bisherige Staatsangehörigkeit nach deutschem Recht grundsätzlich nicht mehr aufgeben. Auch Deutsche verlieren ihre deutsche Staatsangehörigkeit nicht mehr automatisch, wenn sie eine weitere erwerben. Trotzdem entscheidet zusätzlich das Recht des zweiten Staates, diе compakt.de berichtet.

Zwei Reisepässe bedeuten mehr als bequemeres Reisen. Dahinter stehen zwei rechtliche Zugehörigkeiten, die Rechte eröffnen, aber auch Pflichten auslösen können.

Wer 2026 zwei Staatsangehörigkeiten haben darf

Einbürgerung ohne Aufgabe des bisherigen Passes

Wer 2026 in Deutschland eingebürgert wird, darf seine bisherige Staatsangehörigkeit aus deutscher Sicht grundsätzlich behalten. Die Mehrstaatigkeit in Deutschland wird bei Einbürgerungen allgemein akzeptiert. Einen Überblick über Visum, Aufenthaltstitel und Einbürgerung bietet Aufenthalt Deutschland 2026.

„Mehrstaatigkeit soll generell möglich werden.“

So fasst das Bundesinnenministerium den Kern der Reform zusammen. Ob der Herkunftsstaat die Beibehaltung ebenfalls zulässt, muss getrennt geprüft werden.

Deutsche mit einer weiteren Staatsangehörigkeit

Deutsche können seit dem 27. Juni 2024 eine ausländische Staatsangehörigkeit beantragen, ohne die deutsche automatisch zu verlieren. Eine Beibehaltungsgenehmigung ist nicht mehr nötig. Der andere Staat kann den Erwerb aber von Aufenthalt, Abstammung, Ehe oder weiteren Bedingungen abhängig machen.

Doppelte Staatsbürgerschaft 2026: Wer darf zwei Pässe haben?
Doppelte Staatsbürgerschaft 2026: Wer darf zwei Pässe haben?

Doppelte Staatsbürgerschaft bei Kindern

Ein deutscher Elternteil

Ein Kind wird in der Regel deutsch, wenn mindestens ein Elternteil deutsch ist. Überträgt der andere Elternteil seine Staatsangehörigkeit ebenfalls, kann das Kind zwei Staatsangehörigkeiten erhalten. Bei Auslandsgeburten gilt: Wurde der deutsche Elternteil selbst ab dem 1. Januar 2000 im Ausland geboren und lebt dort, kann eine Registrierung innerhalb eines Jahres erforderlich sein.

Geburt in Deutschland bei ausländischen Eltern

Ein in Deutschland geborenes Kind ausländischer Eltern kann zusätzlich deutsch werden, wenn mindestens ein Elternteil seit fünf Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. Die frühere Optionspflicht ist entfallen. Eine spätere Entscheidung zwischen beiden Staatsangehörigkeiten ist nach deutschem Recht grundsätzlich nicht mehr nötig.

Geburtsregistrierung, Abstammungsnachweise und gesetzliche Fristen können darüber entscheiden, ob beide Staatsangehörigkeiten später problemlos nachgewiesen werden.

Doppelte Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung

Fünf Jahre bleiben der Regelfall

Seit dem 30. Oktober 2025 ist eine reguläre Einbürgerung grundsätzlich frühestens nach fünf Jahren rechtmäßigen Aufenthalts möglich. Die frühere Drei-Jahres-Regel für besondere Integrationsleistungen wurde abgeschafft. Eine Einbürgerung erfolgt dennoch nicht automatisch.

„Eine Einbürgerung nach fünf Jahren ist weiterhin möglich, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind.“

Details zu Antrag und Unterlagen enthält Einbürgerung in Deutschland 2026.

Voraussetzungen im Überblick

Die Behörde prüft Identität, Aufenthaltsstatus, Deutschkenntnisse, staatsbürgerliches Wissen und Lebensunterhalt. Straftaten, verfassungsfeindliche Bestrebungen oder falsche Angaben können entgegenstehen.

PunktRegelfall 2026Nachweis
Aufenthaltmindestens fünf JahreMeldedaten, Aufenthaltstitel
Sprachemeist B1Zertifikat oder Abschluss
WissenEinbürgerungstestTestbescheinigung
Identitäteindeutig geklärtPass, Urkunden
Lebensunterhaltgrundsätzlich gesichertEinkommensnachweise
Gebührregelmäßig 255 EuroZahlungsaufforderung

Warum das Recht des zweiten Staates entscheidend bleibt

Nicht jedes Land erlaubt mehrere Staatsangehörigkeiten

Deutschland kann nur bestimmen, dass es eine weitere Staatsangehörigkeit akzeptiert. Manche Staaten erlauben zwei Pässe, andere verlangen eine Genehmigung oder sehen beim freiwilligen Erwerb einer fremden Staatsangehörigkeit den Verlust der bisherigen vor. Vor dem Antrag ist deshalb eine schriftliche Auskunft der zuständigen Botschaft oder Behörde sinnvoll.

Pass und Staatsangehörigkeit sind nicht dasselbe

Ein Reisepass ist ein Dokument, die Staatsangehörigkeit ein rechtlicher Status. Ein abgelaufener Pass beendet die Staatsangehörigkeit nicht. Bei Reisen kann vorgeschrieben sein, den Pass des jeweiligen Staates zu benutzen.

Vorteile und mögliche Pflichten

Was zwei Staatsangehörigkeiten erleichtern können

Mehrere Staatsangehörigkeiten können Aufenthalt, Arbeit, Studium, Rückkehr und Familienleben erleichtern. Mögliche Vorteile sind:

  • Aufenthalts- und Arbeitsrecht in beiden Staaten;
  • Wahlrecht nach dem jeweiligen nationalen Recht;
  • leichterer Zugang zu Familie, Bildung oder Eigentum;
  • einfachere Rückkehr nach Auslandsaufenthalten;
  • günstigere Einreisebedingungen mit einem der Pässe.

Welche Risiken geprüft werden sollten

Je nach Staat können Wehrdienst, Meldepflichten, steuerliche Erklärungen oder familienrechtliche Regeln gelten. Im Land der zweiten Staatsangehörigkeit kann eine Person ausschließlich als dessen Staatsangehöriger behandelt werden. Die konsularische Hilfe Deutschlands kann dort eingeschränkt sein.

„Bei Personen mit mehreren Staatsangehörigkeiten kann die konsularische Betreuung im anderen Heimatstaat verwehrt werden.“

Antrag richtig vorbereiten

Schritt für Schritt vorgehen

Wer die Einbürgerung mit zwei Pässen plant, sollte früh prüfen:

  1. Deutsche Einbürgerungsvoraussetzungen kontrollieren.
  2. Beim Herkunftsstaat klären, ob dessen Staatsangehörigkeit bleibt.
  3. Folgen für Wehrdienst, Familie, Steuern und Eigentum prüfen.
  4. Personenstands-, Aufenthalts-, Sprach- und Einkommensnachweise sammeln.
  5. Antrag bei der Staatsangehörigkeitsbehörde einreichen.
  6. Änderungen bei Adresse, Einkommen oder Familienstand mitteilen.
  7. Erst nach der Einbürgerungsurkunde deutsche Ausweise beantragen.

Häufige Fehler vermeiden

Allgemeine Online-Aussagen ersetzen keine Einzelfallprüfung. Regeln unterscheiden sich je nach Herkunftsstaat und Erwerbsgrund. Wer Deutschland später dauerhaft verlässt, sollte Melde- und Staatsangehörigkeitsfragen trennen; dabei hilft Abmeldung aus Deutschland 2026.

Doppelte Staatsbürgerschaft 2026: Wer darf zwei Pässe haben?
Doppelte Staatsbürgerschaft 2026: Wer darf zwei Pässe haben?

FAQ zur doppelten Staatsbürgerschaft 2026

Darf jeder Eingebürgerte seinen bisherigen Pass behalten?

Nach deutschem Recht grundsätzlich ja. Ob die bisherige Staatsangehörigkeit bleibt, bestimmt zusätzlich das Herkunftsrecht.

Müssen sich in Deutschland geborene Kinder später entscheiden?

Die frühere Optionspflicht ist entfallen. Wer beide Staatsangehörigkeiten wirksam erworben hat, muss sich grundsätzlich nicht entscheiden.

Verliere ich die deutsche Staatsangehörigkeit bei einem zweiten Pass?

Seit dem 27. Juni 2024 führt der freiwillige Erwerb einer ausländischen Staatsangehörigkeit grundsätzlich nicht mehr automatisch zum Verlust der deutschen.

Kann ich schon nach drei Jahren eingebürgert werden?

Die allgemeine Drei-Jahres-Regel wurde am 30. Oktober 2025 abgeschafft. Regulär gelten grundsätzlich fünf Jahre.

Muss ich bei Reisen beide Pässe mitnehmen?

Das hängt von den Vorschriften der beteiligten Staaten ab. Viele Länder verlangen die Nutzung ihres nationalen Passes.

Kann eine doppelte Staatsbürgerschaft später verloren gehen?

Ein automatischer Verlust nur wegen einer weiteren Staatsangehörigkeit ist grundsätzlich ausgeschlossen. Besondere Verlust- oder Verzichtsfälle bleiben möglich.

Was 2026 besonders wichtig bleibt

Die doppelte Staatsbürgerschaft 2026 ist in Deutschland deutlich einfacher geworden. Entscheidend bleibt die Rechtslage beider Staaten. Vor einem Antrag sollten neben den deutschen Voraussetzungen auch Folgen im Herkunftsland geprüft werden. Wer Fristen, Wehrdienstfragen oder konsularische Einschränkungen übersieht, kann später Probleme bekommen. Schriftliche Behördenauskünfte und fachkundige Beratung schaffen mehr Sicherheit.

Dieser Artikel ersetzt keine rechtliche Beratung.