Bescheid geben oder bescheid geben? Groß oder klein – die Regel

„Kannst du mir bis morgen bescheid geben?“ – so steht es in vielen Chats, und auch in Geschäftsmails taucht der Satz regelmäßig mit kleinem b auf. Richtig ist die Großschreibung: Bescheid geben, denn Bescheid ist ein Substantiv – der Bescheid, wie im Steuerbescheid. Die Frage Bescheid geben groß oder klein lässt sich deshalb mit einem Wort beantworten: groß, und zwar in jeder Wendung, in der das Wort vorkommt, erklärt compakt.de/. Dieser Beitrag gehört zu unserer Serie über die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.

Die Regel in drei Punkten

  • Bescheid ist ein Substantiv und wird immer großgeschrieben: Bescheid geben, Bescheid sagen, Bescheid wissen.
  • bescheid geben mit kleinem b ist ein Fehler – im Vertrag ebenso wie im Chat.
  • Probe: Lässt sich ein Artikel oder ein Adjektiv einfügen (einen kurzen Bescheid geben)? Dann ist es ein Substantiv, also groß.

Das gilt für jede Verbindung, in der Bescheid steckt: Bescheid bekommen, Bescheid erhalten, umgangssprachlich auch jemandem Bescheid stoßen. Das Verb wechselt, das Substantiv bleibt – und mit ihm der große Anfangsbuchstabe.

Infografik: Substantiv groß – verblasstes Substantiv klein
Substantiv groß – verblasstes Substantiv klein

Warum das kleine b so verführerisch ist

Zwei Dinge führen in die Irre. Erstens klingt Bescheid geben wie ein einziges Verb: Man sagt es in einem Atemzug, so wie anrufen oder melden – und was wie ein Verb klingt, möchte man klein schreiben. Zweitens gibt es tatsächlich ein kleingeschriebenes Wort bescheiden, allerdings mit ganz anderer Bedeutung. Als Adjektiv heißt es „zurückhaltend“ (Sie ist ein bescheidener Mensch), als Verb der Amtssprache heißt es „amtlich entscheiden“ (Die Behörde hat den Antrag abschlägig beschieden). Beides hat mit der Wendung Bescheid geben nur den Wortstamm gemeinsam.

Die typischen Fehlschreibungen und ihre Korrektur:

  • Ich geb dir morgen bescheid. → Ich geb dir morgen Bescheid.
  • Sagen Sie mir bitte bescheid. → Sagen Sie mir bitte Bescheid.
  • Er weiß bescheid. → Er weiß Bescheid.
  • Wir haben noch keinen bescheid bekommen. → Wir haben noch keinen Bescheid bekommen.

Bescheid geben groß oder klein: die Probe mit Artikel und Adjektiv

Wer unsicher ist, muss keine Regel auswendig lernen, sondern nur einen kurzen Test machen. Er dauert wenige Sekunden:

  1. Setzen Sie einen Artikel vor das fragliche Wort: den Bescheid bekommen. Funktioniert das? Dann ist es ein Substantiv.
  2. Schieben Sie ein Adjektiv dazwischen: einen kurzen Bescheid geben. Passt auch das, gibt es keinen Zweifel mehr.
  3. Schreiben Sie groß – auch dann, wenn im konkreten Satz weder Artikel noch Adjektiv stehen.

Der Test funktioniert, weil ein Wort, das Artikel und Adjektiv annehmen kann, ein Substantiv ist – und Substantive werden im Deutschen großgeschrieben, ganz gleich, in welcher Wendung sie stehen. Bei Bescheid fällt die Probe besonders leicht, weil das Wort auch allein ein vertrauter Begriff ist: der Bescheid vom Finanzamt, der Bescheid der Rentenversicherung, der Bußgeldbescheid im Briefkasten. Ein Wort mit Artikel, Plural und eigener Bedeutung ist kein Verbteil, sondern ein Substantiv.

Alle Wendungen mit Bescheid auf einen Blick

Das Substantiv der Bescheid bedeutet „Auskunft, Nachricht“ oder „amtliche Entscheidung“. Aus beiden Bedeutungen sind feste Wendungen entstanden, die alle gleich geschrieben werden:

Wendung Bedeutung Beispiel
Bescheid geben jemanden informieren Wir geben Ihnen bis Freitag Bescheid.
Bescheid sagen jemandem etwas mitteilen Sag Bescheid, wenn du da bist.
Bescheid wissen informiert sein Sie weiß über den Termin Bescheid.
Bescheid bekommen / erhalten eine Nachricht oder Entscheidung erhalten Er hat vom Amt noch keinen Bescheid erhalten.
jemandem Bescheid stoßen umgangssprachlich: jemandem deutlich die Meinung sagen Dem hab ich ordentlich Bescheid gestoßen.
Steuerbescheid, Rentenbescheid, Bußgeldbescheid amtliche Entscheidung als Zusammensetzung Der Steuerbescheid kam per Post.

Auffällig ist die letzte Zeile: In den Zusammensetzungen zweifelt niemand an der Großschreibung. Wer Steuerbescheid groß schreibt, hat den besten Beweis dafür, dass auch das einfache Bescheid groß gehört.

Angst haben, Rad fahren, Bescheid geben: eine Familie

Bescheid geben gehört zu einer Gruppe fester Wendungen, in denen das Substantiv noch klar als Substantiv erkennbar ist – und deshalb groß bleibt: Angst haben, Schuld haben, Rad fahren, Ernst machen. Auch Recht haben zählt dazu, wobei hier ausnahmsweise auch recht haben erlaubt ist; die Einzelheiten dieser Doppelform erklärt unser Beitrag zu recht haben – groß oder klein.

Das Gegenstück sind Verbindungen, in denen das Substantiv verblasst ist – man denkt beim Sprechen nicht mehr an die ursprüngliche Sache. Solche Verbindungen werden klein- und zusammengeschrieben: pleitegehen, stattfinden, eislaufen und leidtun. Warum Es tut mir leid klein bleibt, obwohl es eine Zeit lang Leid tun hieß, lesen Sie unter leidtun oder leid tun. Bei Bescheid ist die Sache dagegen eindeutig: Wer Bescheid gibt, denkt an eine Auskunft oder Nachricht, das Substantiv ist lebendig. Wie stark ein Wort seine Eigenständigkeit verlieren kann, zeigt der Fall zurzeit oder zur Zeit – dort entscheidet die Bedeutung, ob getrennt und groß oder zusammen und klein geschrieben wird. Die Grundregel hinter all diesen Fällen finden Sie in unserem Überblick zur Groß- und Kleinschreibung.

Steht in einer festen Verbindung aus Substantiv und Verb das Substantiv noch erkennbar für sich – es lässt sich mit Artikel oder Adjektiv erweitern –, wird es großgeschrieben. Nur wenn es seine Eigenständigkeit verloren hat, wird die Verbindung klein- und zusammengeschrieben.

Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung

So klingt es 2026 in Kundenmail, Chat und Amtspost

Der Fehler fällt vor allem dort auf, wo Texte formell sind. Diese Sätze sind korrekt:

  • Kundenmail: Wir geben Ihnen bis Freitag Bescheid.
  • Chat: Sag Bescheid!
  • Behörde: Der Bescheid ist unterwegs.
  • Bewerbung: Über das Ergebnis erhalten Sie in den nächsten Tagen Bescheid.
  • Teamchat: Weißt du schon Bescheid, ob die Sitzung stattfindet?

Der letzte Satz zeigt beide Muster nebeneinander: Bescheid bleibt groß, stattfindet wird klein- und zusammengeschrieben, weil das Substantiv Statt darin verblasst ist. Und der Merksatz für alle, die beim Tippen zögern: Bescheid bekommt man vom Amt – und schreibt ihn immer groß. Wer an den Steuerbescheid denkt, macht den Fehler nicht mehr.

Fragen, die bei Bescheid geben immer wieder auftauchen

Schreibt man „Bescheid geben“ groß oder klein?

Groß: Bescheid geben. Bescheid ist ein Substantiv – der Bescheid –, und Substantive werden großgeschrieben, auch in festen Wendungen.

Heißt es „Bescheid sagen“ oder „bescheid sagen“?

Bescheid sagen, mit großem B. Dasselbe gilt für Bescheid wissen, Bescheid bekommen und Bescheid erhalten: Das Verb ändert an der Großschreibung nichts.

Warum „Bescheid wissen“ groß, aber „bescheiden“ klein?

Weil es zwei verschiedene Wörter sind. Bescheid ist ein Substantiv; bescheiden ist ein Adjektiv („zurückhaltend“) oder ein Verb der Amtssprache („amtlich entscheiden“). Nur das Substantiv wird großgeschrieben.

Ist „jemandem Bescheid stoßen“ korrekt?

Die Wendung ist umgangssprachlich und passt nicht in formelle Texte. Wenn Sie sie verwenden, schreiben Sie Bescheid auch hier groß.

Fazit: ein Substantiv, keine Ausnahme

Bescheid geben groß oder klein – die Antwort lautet groß, ohne Ausnahme. Bescheid bleibt in jeder Wendung ein Substantiv, das Artikel und Adjektiv annehmen kann, und steht damit in einer Reihe mit Angst haben und Rad fahren. Klein wird nur das andere Wort bescheiden geschrieben. Wer die Artikelprobe kennt, ist in Kundenmail, Chat und Behördenschreiben auf der sicheren Seite. Weitere Zweifelsfälle mit Kurzantwort finden Sie in unserer Übersicht der häufigsten Rechtschreibfehler.