„Unser Tarif ist günstiger wie der der Konkurrenz“ – so stand es in einer Werbemail, die im Frühjahr 2026 in vielen Postfächern landete. Der Preis mag gestimmt haben, die Grammatik nicht: Nach einem Komparativ steht im Deutschen immer als, also günstiger als. Nur wenn zwei Dinge gleich sind, gehört wie in den Satz: so günstig wie. Damit ist die Frage als oder wie im Kern schon beantwortet; compakt.de/ zeigt, wie Sie die Regel in einer Sekunde prüfen, welcher Fall nach dem Vergleichswort steht und warum größer wie in Bayern normal klingt und im Vertrag trotzdem falsch ist. Der Beitrag gehört zu unserer Serie über die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.
Als oder wie: die Regel und die Probe
- Ungleichheit → als: größer als, besser als, mehr als, weniger als, anders als, nichts als, niemand anderes als.
- Gleichheit → wie: so groß wie, genauso gut wie, ebenso wie, doppelt so viel wie, nicht so schnell wie.
- Die Probe: Steht vor dem Vergleichswort ein Komparativ – eine Form auf -er oder mehr, weniger, anders? Dann als. Sonst wie.
Der Merksatz dazu ist kurz: „als“ heißt anders, „wie“ heißt gleich. Wer anders als im Kopf behält, hat gleich zwei Hinweise in einem Wort – anders ist selbst ein Komparativ-Signal und verlangt als. Und nicht so schnell wie zeigt, dass eine Verneinung nichts ändert: Verglichen wird auf gleicher Stufe, also wie.
Nach dem Komparativ wird der Vergleich mit „als“ angeschlossen, nach dem Positiv in Verbindungen wie „so … wie“ oder „ebenso … wie“ mit „wie“.
Duden-Sprachwissen, Zweifelsfälle: als oder wie

Gleich oder ungleich: beide Vergleichsarten nebeneinander
Die Tabelle stellt jedem Komparativ die passende Gleichheitsformel gegenüber. Beide Spalten sind korrekt – nur die Mischung wäre falsch:
| Ungleichheit (Komparativ + als) | Gleichheit (Positiv + wie) |
|---|---|
| Der Zug ist schneller als das Auto. | Der Zug ist so schnell wie das Auto. |
| Sie verdient mehr als ihr Kollege. | Sie verdient genauso viel wie ihr Kollege. |
| Das Angebot ist besser als erwartet. | Das Angebot ist ebenso gut wie erwartet. |
| Er arbeitet anders als früher. | Er arbeitet wie früher. |
| Nichts ist wichtiger als Pünktlichkeit. | Pünktlichkeit ist so wichtig wie Freundlichkeit. |
Eine Falle bleibt, in die selbst geübte Schreiber tappen: Die Miete kostet doppelt so viel wie damals. Das doppelt klingt nach Steigerung, grammatisch steht aber ein Positiv mit so – und so zieht wie nach sich. Wer dagegen Gleichheit ausdrückt, landet schnell bei der nächsten Frage, nämlich ob zwei Dinge nun dasselbe oder das Gleiche sind.
Welcher Fall nach dem Vergleichswort steht
Ein zweiter Fehler versteckt sich hinter dem ersten: der Kasus. Nach als und wie steht das Verglichene im selben Fall wie das Bezugswort, denn gedanklich wird das Verb wiederholt:
- Nominativ: Er ist größer als ich (… als ich es bin).
- Akkusativ: Ich kenne ihn besser als dich (… als ich dich kenne).
- Dativ: Sie hilft mir mehr als ihm (… als sie ihm hilft).
Der Unterschied ist nicht nur Formsache. Ich kenne ihn besser als du bedeutet: besser, als du ihn kennst. Ich kenne ihn besser als dich bedeutet: besser, als ich dich kenne. Dieselbe Logik gilt nach wie: Sie ist so groß wie ich, nicht wie mich.
Größer wie, mehr wie, als wie: was Dialekt ist und was Fehler
In Süddeutschland, in der Pfalz, in Bayern und in Österreich ist größer wie oder mehr wie im Gespräch völlig üblich – niemand wird dort im Biergarten korrigiert. Schriftsprachlich gilt die Form dennoch als Fehler, und zwar unabhängig von der Region: In einem Angebot, einem Vertrag oder einer Bewerbung steht größer als, auch wenn der Absender aus Regensburg schreibt.
Noch eine Stufe weiter geht als wie, etwa größer als wie du. Diese Doppelung findet sich in älterer Literatur und in Mundarten, in der heutigen Standardsprache ist sie falsch. Eine kleine Übersicht:
- Falsch: Das neue Modell ist leichter wie das alte. – Richtig: Das neue Modell ist leichter als das alte.
- Falsch: Er hat mehr Erfahrung wie ich. – Richtig: Er hat mehr Erfahrung als ich.
- Falsch: Sie ist genauso alt als ihr Bruder. – Richtig: Sie ist genauso alt wie ihr Bruder.
- Falsch: Nichts ist schlimmer als wie Warten. – Richtig: Nichts ist schlimmer als Warten.
Wenn als und wie gar nicht vergleichen
Beide Wörter haben Nebenjobs, in denen die Komparativ-Regel keine Rolle spielt – und die Sie deshalb nicht verunsichern sollten. Als leitet Zeitangaben in der Vergangenheit ein (als ich kam, als der Vertrag unterschrieben wurde) und benennt eine Rolle oder Eigenschaft (als Lehrerin, als Kind, als Mitarbeiter des Monats). Wie steht in Fragen (Wie spät ist es?), in bildhaften Vergleichen (stark wie ein Bär) und in der Formel so … wie. Ein Sonderfall ist sowohl … als auch: Hier steht als, obwohl zwei gleichwertige Dinge aufgezählt werden. Und bei der Frage nach der Menge geht es weniger um als oder wie als um die Getrenntschreibung – ob wie viel oder wieviel richtig ist, klärt ein eigener Beitrag.
Preisvergleich, Bewerbung, Chat: drei Sätze aus dem Alltag 2026
Die Regel begegnet Ihnen täglich, meist ohne dass Sie es merken. Drei typische Sätze, bei denen sich ein zweiter Blick lohnt:
- Im Preisvergleich: Der Stromtarif ist im Jahr 2026 günstiger als im Vorjahr, aber nicht so günstig wie versprochen.
- In der Bewerbung: Ich bringe mehr Erfahrung im Vertrieb mit als in der Ausschreibung verlangt.
- Im Chat: Mach es genauso wie beim letzten Mal, das hat funktioniert.
Der Bewerbungssatz enthält übrigens eine zweite Falle, wenn er einen Nebensatz bekommt: Ich bin überzeugt, dass ich mehr Erfahrung als andere Bewerber mitbringe – hier muss neben als auch das oder dass stimmen. Zwei Klassiker in einem Satz sind in Anschreiben keine Seltenheit.
Häufige Fragen
Heißt es „größer als“ oder „größer wie“?
Immer größer als. Größer ist ein Komparativ, und nach dem Komparativ steht als. Größer wie ist regional verbreitet, in der Schriftsprache aber ein Fehler.
Ist „so gut als“ richtig oder „so gut wie“?
So gut wie. Nach so, genauso, ebenso und doppelt so folgt ein Positiv, und Gleichheit wird mit wie ausgedrückt.
Schreibt man „als ich“ oder „als mich“?
Das hängt vom Bezugswort ab: Er ist älter als ich (Nominativ, weil er Nominativ ist), aber Sie mag ihn lieber als mich (Akkusativ, weil ihn Akkusativ ist).
Gibt es Fälle, in denen „als wie“ erlaubt ist?
In der heutigen Standardsprache nicht. Als wie kommt in älteren Texten und in Dialekten vor; wer heute in E-Mail oder Vertrag größer als wie schreibt, macht einen Fehler.
Fazit: ein Blick auf das Wort davor
Die Entscheidung als oder wie braucht keine Grammatiktabelle, sondern einen Blick auf das Wort davor: Komparativ – also -er, mehr, weniger, anders – verlangt als; so, genauso, ebenso verlangen wie. Danach prüfen Sie nur noch, ob der Fall nach dem Vergleichswort zum Bezugswort passt. Wer das zehnmal bewusst gemacht hat, hört den Fehler in der nächsten Werbemail von selbst. Weitere Zweifelsfälle mit gleich hoher Fehlerquote sammelt unsere Übersicht der häufigsten Rechtschreibfehler.