Wer sich 2026 beim Ehrenamt Deutschland engagieren möchte, findet Aufgaben weit über klassische Sportvereine oder Feuerwehr hinaus. Nachbarschaftshilfe, Sprachbegleitung, Tafeln, Jugendgruppen, Kulturprojekte, Naturschutz, Tierheime und digitale Vereinsarbeit brauchen regelmäßig Menschen, die einige Stunden pro Woche oder auch nur punktuell übernehmen können. Gerade für Zugewanderte kann freiwilliges Engagement zusätzlich eine Möglichkeit sein, Kontakte aufzubauen und lokale Strukturen kennenzulernen, diе compakt.de berichtet.
Dabei bedeutet Ehrenamt nicht automatisch unbezahlte Arbeit. Vereine und andere begünstigte Organisationen können tatsächliche Auslagen ersetzen oder unter bestimmten Voraussetzungen eine steuerfreie Pauschale zahlen. Seit dem 1. Januar 2026 gelten höhere Freibeträge: Die Ehrenamtspauschale beträgt 960 Euro pro Jahr, die Übungsleiterpauschale 3.300 Euro. Entscheidend ist jedoch die Art der Tätigkeit, denn beide Regelungen sind nicht beliebig austauschbar.
Ehrenamt Deutschland 2026: Wo freiwillige Helfer gebraucht werden
Vereine bleiben der klassische Einstieg
Sport-, Kultur-, Förder- und Sozialvereine bieten besonders viele Möglichkeiten. Nicht jeder Helfer muss Trainer, Vorsitzender oder Kassenwart werden. Veranstaltungen brauchen Organisation, Vereinsheime müssen betreut, Mitgliederlisten gepflegt und neue Angebote vorbereitet werden.

Wer selbst eine Initiative dauerhaft organisieren möchte, findet im Überblick zum Verein gründen 2026 in Deutschland die wichtigsten Schritte von Satzung bis Vorstand. Für bereits bestehende Gruppen ist dagegen häufig entscheidend, Aufgaben so klein zu schneiden, dass Ehrenamt neben Beruf und Familie realistisch bleibt.
Ein gutes Ehrenamt muss nicht zehn Stunden pro Woche beanspruchen. Auch ein fester zweistündiger Termin im Monat kann für einen Verein planbarer sein als unverbindliche Hilfe auf Abruf.
Soziale Arbeit, Integration und Nachbarschaft
Wer ehrenamtlich helfen in Deutschland möchte, kann sich beispielsweise bei lokalen Hilfsorganisationen, Seniorenangeboten, Integrationsprojekten oder Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe melden. Gefragt sind Begleitungen zu Terminen, Besuchsdienste, Unterstützung bei Veranstaltungen oder niedrigschwellige Sprach- und Lernangebote.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Kinder- und Jugendangebote;
- Senioren- und Besuchsdienste;
- Sport und Bewegung;
- Kulturveranstaltungen und Museen;
- Natur-, Umwelt- und Tierschutz;
- Integration und Sprachbegleitung;
- Katastrophenschutz und Rettungsorganisationen;
- Nachbarschaftshilfe und lokale soziale Projekte.
Nicht jede Aufgabe setzt eine formale Ausbildung voraus. Tätigkeiten mit Kindern, Pflegebedürftigen, medizinischen Aufgaben oder besonderer Verantwortung können allerdings Führungszeugnisse, Schulungen, Qualifikationen oder interne Einweisungen erfordern.
„Ehrenamts- und Übungsleiterpauschalen sind Aufwandsentschädigungen für nebenberufliche Tätigkeiten.“
Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt
Welche Aufwandsentschädigung im Ehrenamt 2026 möglich ist
Der Begriff Aufwandsentschädigung Ehrenamt wird häufig für sehr unterschiedliche Zahlungen benutzt. Steuerlich muss jedoch unterschieden werden: Ein Verein kann konkrete Kosten erstatten oder eine Vergütung zahlen, für die ein gesetzlicher Freibetrag genutzt wird.
Die wichtigste Änderung 2026 betrifft die beiden steuerfreien Jahresbeträge.
| Regelung 2026 | Höchstbetrag pro Jahr | Typische Tätigkeiten |
|---|---|---|
| Ehrenamtspauschale | 960 € | Vorstand, Kasse, Organisation, Platzwart, Veranstaltungshelfer |
| Übungsleiterpauschale | 3.300 € | Trainer, Ausbilder, Erzieher, Betreuer, bestimmte Pflege- und künstlerische Tätigkeiten |
| Allgemeiner Mindestlohn | 13,90 €/Stunde | reguläre Arbeitsverhältnisse, grundsätzlich nicht echtes Ehrenamt |
Die Ehrenamtspauschale 2026 stieg damit von zuvor 840 auf 960 Euro. Der Betrag ist ein Jahresfreibetrag und kein automatisch zustehender Zuschuss. Ob tatsächlich Geld gezahlt wird, entscheidet die Organisation beziehungsweise die zugrunde liegende Vereinbarung.
Auch bei Vereinen mit steuerlicher Gemeinnützigkeit müssen Zahlungen sauber dokumentiert werden. Wie Gemeinnützigkeit, Satzung und Mittelverwendung zusammenhängen, erklärt der Beitrag Gemeinnützigkeit für Vereine 2026.
Wann die Übungsleiterpauschale von 3.300 Euro gilt
Nicht jeder Helfer ist Übungsleiter
Die Übungsleiterpauschale 2026 ist deutlich höher, hat aber engere Voraussetzungen. § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz nennt unter anderem nebenberufliche Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder Betreuer sowie bestimmte künstlerische Tätigkeiten und die nebenberufliche Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen.
Ein Fußballtrainer kann daher grundsätzlich unter diese Regelung fallen. Dasselbe kann für eine Person gelten, die regelmäßig einen qualifizierten Kurs oder eine betreuende Tätigkeit übernimmt. Wer dagegen Vereinsfeste organisiert, Mitglieder verwaltet oder als Kassenwart tätig ist, bewegt sich typischerweise eher im Bereich der Ehrenamtspauschale.
„Wir machen es leichter für gemeinnützige Vereine, neue Ehrenamtliche für sich zu gewinnen.“
Bundesministerium der Finanzen
Nebenberuflichkeit bleibt Voraussetzung
Der Freibetrag von 3.300 Euro macht eine hauptberufliche Tätigkeit nicht automatisch zum Ehrenamt. Die steuerliche Begünstigung setzt eine nebenberufliche Tätigkeit im gesetzlich vorgesehenen Bereich und für eine begünstigte Organisation voraus.
Die Höhe einer Zahlung entscheidet nicht allein darüber, ob eine Tätigkeit ehrenamtlich oder arbeitsrechtlich als Beschäftigung einzuordnen ist. Aufgaben, Weisungsbindung, Umfang und tatsächliche Organisation der Arbeit bleiben relevant.
Gerade Vereine, die Ehrenamtliche und regulär Beschäftigte parallel einsetzen, sollten diese Rollen nicht vermischen. Für Arbeitnehmer beträgt der gesetzliche Mindestlohn seit dem 1. Januar 2026 13,90 Euro brutto pro Stunde. Einen separaten Überblick bietet der Beitrag zum Mindestlohn 2026 in Deutschland.
Aufwandsersatz ist nicht dasselbe wie eine Pauschale
Fährt ein ehrenamtlicher Helfer für seinen Verein zu einem Termin, kauft Büromaterial oder bezahlt Porto aus eigener Tasche, können solche tatsächlich entstandenen Kosten grundsätzlich als Aufwandsersatz erstattet werden. Dafür sollte nachvollziehbar sein, welche Ausgabe für die Vereinstätigkeit entstanden ist.
Typische erstattungsfähige Kosten können je nach Tätigkeit sein:
- Fahrt- und Reisekosten;
- Porto und Telefonkosten;
- Büromaterial;
- notwendige Übernachtungen;
- projektbezogene Arbeitsmittel.
Eine pauschale Vergütung für Zeit und Tätigkeit ist davon zu unterscheiden. Vereine sollten deshalb Rechnungen, Quittungen, Abrechnungen und Beschlüsse nicht durch eine pauschale Überweisung ersetzen, wenn tatsächlich konkrete Kosten erstattet werden sollen.
Bei Vorstandsmitgliedern kommt ein weiterer Punkt hinzu: Eine Vergütung für Vorstandstätigkeit muss mit der Satzung vereinbar sein. Wer einen Verein neu organisiert oder solche Regeln ändern möchte, sollte deshalb auch die formalen Anforderungen an Vereinsregister und e.V.-Anmeldung 2026 berücksichtigen.
So findet man 2026 ein passendes Ehrenamt
Die größte Auswahl bringt wenig, wenn Aufgabe und verfügbarer Zeitrahmen nicht zusammenpassen. Vor einer Zusage sollte geklärt sein, wie oft ein Einsatz stattfindet, wer Ansprechpartner ist und welche Verantwortung übernommen wird.
Eine praktische Reihenfolge:
- Verfügbare Zeit realistisch festlegen, etwa zwei Stunden pro Woche oder einen Samstag im Monat.
- Themen auswählen, die langfristig interessieren: Sport, Soziales, Umwelt, Bildung oder Kultur.
- Vereine, Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Freiwilligenagenturen am Wohnort prüfen.
- Aufgaben und Verantwortungsumfang vor dem ersten Einsatz schriftlich oder zumindest eindeutig besprechen.
- Nach Versicherungsschutz, Fahrtkostenerstattung und möglichen Pauschalen fragen.
- Bei regelmäßiger Vergütung klären, welche steuerliche Regelung angewendet wird.
- Nach einigen Wochen prüfen, ob Zeitaufwand und Aufgabe dauerhaft passen.
Für Menschen mit noch begrenzten Deutschkenntnissen muss das Ehrenamt nicht warten. Küchenhilfe bei Veranstaltungen, Sportangebote, technische Aufgaben, Logistik oder mehrsprachige Begleitung können weniger sprachintensiv sein als Beratungsfunktionen.
Was Vereine bei Zahlungen beachten sollten
Ein Verein Ehrenamt 2026 sollte nicht erst beim Jahresabschluss überlegen, warum Geld an Helfer ausgezahlt wurde. Beschlüsse, Satzung, Verträge und Zahlungszweck müssen zusammenpassen. Besonders bei Vorstandsvergütungen, regelmäßigen monatlichen Zahlungen oder mehreren Tätigkeiten derselben Person können steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Fragen entstehen.
Die beiden Freibeträge bedeuten auch nicht, dass jeder Verein automatisch 960 oder 3.300 Euro zahlen darf. Die Organisation benötigt eine rechtliche Grundlage für die Zahlung und ausreichend Mittel. Bei gemeinnützigen Körperschaften muss die Mittelverwendung zusätzlich mit dem Satzungszweck vereinbar sein.
Wer nur seine tatsächlichen Auslagen zurückbekommt, erhält etwas anderes als jemand, dessen Arbeits- und Zeitaufwand pauschal vergütet wird.
Die Bundesregierung weist beim Mindestlohn ausdrücklich darauf hin, dass Ehrenamtliche vom allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen sind. Das schützt jedoch keine Konstruktion, bei der ein reguläres Arbeitsverhältnis lediglich als Ehrenamt bezeichnet wird. Bei Zweifeln über eine dauerhafte bezahlte Tätigkeit sind Steuerberatung, Rechtsberatung oder eine sozialversicherungsrechtliche Statusklärung sinnvoll.

FAQ zum Ehrenamt in Deutschland 2026
Wie hoch ist die Ehrenamtspauschale 2026?
Seit dem 1. Januar 2026 beträgt sie maximal 960 Euro pro Kalenderjahr. Zuvor lag der Freibetrag bei 840 Euro.
Wie hoch ist die Übungsleiterpauschale 2026?
Für begünstigte nebenberufliche Tätigkeiten beträgt der Freibetrag 3.300 Euro jährlich. Dazu gehören insbesondere bestimmte Ausbildungs-, Betreuungs-, Trainings-, Pflege- und künstlerische Tätigkeiten.
Bekommt jeder Ehrenamtliche automatisch 960 Euro?
Nein. Der Betrag ist ein steuerlicher Freibetrag und kein staatlicher Anspruch auf Auszahlung. Ob eine Organisation eine Vergütung zahlt, hängt von ihrer Regelung, Finanzierung und der konkreten Tätigkeit ab.
Kann ein Verein zusätzlich Fahrtkosten erstatten?
Tatsächlich entstandene Aufwendungen können grundsätzlich gesondert ersetzt werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt und die Kosten nachvollziehbar dokumentiert sind. Reisekosten müssen nach den dafür geltenden steuerlichen Regeln behandelt werden.
Gilt der Mindestlohn für Ehrenamtliche?
Für echte ehrenamtliche Tätigkeiten gilt der gesetzliche Mindestlohn grundsätzlich nicht. Bei einem regulären Arbeitsverhältnis gelten dagegen die arbeitsrechtlichen Vorgaben; der allgemeine Mindestlohn beträgt 2026 13,90 Euro brutto je Stunde.
Können Migranten oder Expats ein Ehrenamt übernehmen?
Grundsätzlich stehen zahlreiche freiwillige Tätigkeiten unabhängig von der Herkunft offen. Je nach Aufgabe können Sprachkenntnisse, Führungszeugnis, Qualifikation oder besondere rechtliche Voraussetzungen verlangt werden.
Was 2026 zählt
Ehrenamt Deutschland bietet 2026 sowohl klassische Vereinsarbeit als auch flexible Aufgaben in Sozialprojekten, Sport, Integration, Kultur und Nachbarschaft. Finanziell sind vor allem die seit Januar erhöhten Freibeträge relevant: 960 Euro Ehrenamtspauschale und 3.300 Euro Übungsleiterpauschale pro Jahr. Wer ein Engagement auswählt, sollte deshalb nicht nur nach der möglichen Zahlung fragen, sondern zuerst Zeitaufwand, Verantwortung, Versicherung und konkrete Aufgabe klären.