Ein Salon in der Fußgängerzone, über der Tür steht „Frisör Weber“, die Terminbestätigung per E-Mail spricht vom „Friseurbesuch“ – und die Kundin fragt sich, welche Version nun stimmt. Die Antwort auf die Frage Friseur oder Frisör ist entspannt: Beide Schreibweisen sind korrekt, der Duden empfiehlt „Friseur“. compakt.de/ erklärt, warum das Wort nur französisch aussieht, wie die weibliche Form heute heißt und welche Variante Sie in Bewerbung, Preisliste und Terminbuchung am besten verwenden. Der Beitrag gehört zu unserer Serie über die häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.
Das Wichtigste vorab
- Friseur ist die empfohlene Hauptform – der Duden empfiehlt sie, und die offizielle Berufsbezeichnung lautet Friseur/Friseurin.
- Frisör ist seit der Rechtschreibreform zulässig, wird aber deutlich seltener verwendet.
- Die weibliche Form heißt Friseurin (oder Frisörin); Friseuse ist veraltet und wirkt auf viele abwertend.
Friseur oder Frisör: Was die Reform erlaubt hat
Vor der Rechtschreibreform galt allein „Friseur“. Seit der Reform ist die eingedeutschte Schreibung „Frisör“ zulässig – das Wort folgt damit derselben Logik wie andere Fremdwörter, für die eine an die deutsche Aussprache angepasste Variante zugelassen wurde. Die Wörterbücher markieren jedoch „Friseur“ als empfohlene Form, und im Alltag hat sich die neue Variante kaum durchgesetzt: Sie ist erlaubt, aber selten.
Für eine Reihe von Fremdwörtern lässt die reformierte Rechtschreibung neben der Originalschreibung eine eingedeutschte Variante zu. Beide gelten als korrekt; die Wörterbücher heben eine davon als empfohlene Hauptform hervor.
Duden-Sprachwissen, Zweifelsfälle
Dieselbe Doppelung finden Sie bei Portemonnaie/Portmonee, Chicorée/Schikoree und Kommuniqué/Kommunikee. Wie sich Original und eingedeutschte Form im Gebrauch unterscheiden, zeigt unser Beitrag zu Portemonnaie oder Portmonee – auch dort gibt es zwei Schreibweisen und nur eine Empfehlung. Und beim Thunfisch oder Tunfisch sind ebenfalls beide Formen erlaubt, während im Alltag eine davon üblich ist. Der Unterschied zu echten Fehlern ist wichtig: Wer „Frisör“ schreibt, macht keinen Fehler, sondern trifft eine Stilentscheidung.

Ein falscher Franzose: Woher „Friseur“ wirklich kommt
„Friseur“ sieht aus wie ein Wort aus Paris, ist aber eine deutsche Bildung. Sprachwissenschaftler nennen so etwas Pseudogallizismus: ein Wort, das französisch wirkt, im Französischen aber in dieser Form nicht existiert. Grundlage ist das Verb frisieren, das tatsächlich auf französisch friser („kräuseln“) zurückgeht. Daran hängte man die Endung -eur, wie man sie von Ingenieur, Chauffeur oder Amateur kennt – fertig war ein Berufsname, der in Frankreich selbst nicht gebräuchlich ist. Dort heißt der Beruf coiffeur, und auch in der Schweiz spricht man von Coiffeur und Coiffeuse.
Genau diese Endung ist zugleich die beste Merkhilfe: Friseur mit -eur wie Ingenieur, Chauffeur und Amateur. Wer die Reihe im Kopf hat, schreibt automatisch die empfohlene Form. „Frisör“ ist erlaubt – aber die Ausnahme in dieser Reihe, denn Ingeniör oder Amatör gibt es nicht.
Friseurin, Frisörin oder Friseuse?
Bei der weiblichen Form hat sich der Sprachgebrauch verschoben. Empfohlen wird heute Friseurin, daneben ist Frisörin zulässig. Die ältere Bezeichnung Friseuse gilt als veraltet und wird von vielen als abwertend empfunden – in einer Stellenanzeige, einem Arbeitszeugnis oder einer Anrede sollte sie deshalb nicht mehr auftauchen. Die offizielle Berufsbezeichnung lautet Friseur/Friseurin.
| Form | Status | Einordnung |
|---|---|---|
| Friseur | korrekt, empfohlen | Hauptform für alle Textsorten |
| Frisör | korrekt, seltener | seit der Reform zulässige Nebenform |
| Friseurin | korrekt, empfohlen | weibliche Form, auch in der amtlichen Berufsbezeichnung |
| Frisörin | korrekt, seltener | Nebenform zu Friseurin |
| Friseuse | veraltet | vermeiden – wirkt oft abwertend |
| Coiffeur / Coiffeuse | französisch | in Frankreich und in der Schweiz üblich |
Die Wortfamilie: Frisur, frisieren, Friseursalon
Die Wahl zwischen eu und ö betrifft nur das Wort selbst und seine Zusammensetzungen. Bei Frisur und frisieren stellt sich die Frage gar nicht erst, weil dort kein eu vorkommt. In Zusammensetzungen folgt die Schreibung dem Grundwort:
- Friseursalon (auch Frisörsalon)
- Friseurmeister, Friseurtermin, Herrenfriseur
- Frisur, frisieren – nur eine Schreibweise, keine Wahl
Umgangssprachlich sagt man einfach zum Friseur gehen oder sich die Haare schneiden lassen. Wer in einem Text konsequent bleiben will, entscheidet sich einmal für eine Variante und behält sie bei: Ein „Friseurtermin im Frisörsalon“ ist zwar korrekt, liest sich aber unruhig.
Terminbuchung, Preisliste, Ausbildung: So schreiben Sie es 2026
Im Berufsalltag begegnet das Wort vor allem in drei Situationen. Ein Blick auf typische Sätze zeigt, wie unauffällig die empfohlene Form wirkt:
- Terminbuchung: Ihr Friseurtermin am 14. März 2026 um 10:30 Uhr ist bestätigt.
- Preisliste: Unsere Preise gelten für Damen- und Herrenfriseur gleichermaßen – Beratung ist immer inklusive.
- Ausbildung: Wir suchen ab August eine Auszubildende oder einen Auszubildenden zum Friseur / zur Friseurin.
Wer eine Stellenanzeige oder einen Ausbildungsvertrag formuliert, greift am besten zur amtlichen Berufsbezeichnung Friseur/Friseurin – so ist der Text eindeutig und niemand muss über Nebenformen nachdenken. Und noch ein Hinweis, der in Terminbestätigungen oft danebengeht: Wer schreibt, der Salon sei zurzeit ausgebucht, schreibt dieses Wort zusammen; die Regel dazu erklärt unser Beitrag zu zurzeit oder zur Zeit.
Nachgefragt: Friseur oder Frisör in Anzeige, Bewerbung und Alltag
Ist „Frisör“ falsch?
Nein. „Frisör“ ist seit der Rechtschreibreform eine zulässige Nebenform. Empfohlen und deutlich häufiger ist aber „Friseur“.
Heißt es Friseurin oder Friseuse?
Heute Friseurin. „Friseuse“ ist veraltet und wird von vielen als abwertend empfunden – in Anzeigen, Zeugnissen und Anreden sollten Sie darauf verzichten.
Schreibt man Friseursalon oder Frisörsalon?
Beides ist korrekt; die Zusammensetzung folgt dem Grundwort. Die empfohlene Form lautet Friseursalon.
Warum heißt der Friseur in der Schweiz Coiffeur?
Weil „Friseur“ eine deutsche Bildung ist, die es im Französischen so nicht gibt. In Frankreich und in der Schweiz heißt der Beruf Coiffeur beziehungsweise Coiffeuse.
Unterm Strich
Bei Friseur oder Frisör gibt es keinen Fehler zu fürchten – nur eine Empfehlung, die man kennen sollte: „Friseur“ ist die Hauptform, „Frisör“ die seltene Alternative, „Friseurin“ die zeitgemäße weibliche Bezeichnung. Wer sich die Reihe Ingenieur, Chauffeur, Amateur, Friseur einprägt, liegt in jeder Textsorte richtig. Weitere Wörter mit zwei zulässigen Schreibungen und viele echte Stolperfallen versammelt unsere Übersicht der häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen.