Nach der Beschlagnahmung eines Öltankers im Nordatlantik verschärfte Moskau seine Rhetorik gegenüber Washington deutlich und warf den USA einen Verstoß gegen das internationale Seerecht vor, wie die Redaktion von compakt.de berichtet unter Berufung auf spiegel.de. Der Vorfall hat die rein juristische Ebene bereits verlassen und sich zu einem weiteren Spannungsfeld zwischen den beiden Staaten entwickelt.
Vorwürfe Russlands und Berufung auf die UN-Seerechtskonvention
Im russischen Verkehrsministerium erklärten Vertreter, die Handlungen der USA stünden im Widerspruch zur UN-Seerechtskonvention von 1982. Nach Auffassung Moskaus gilt auf hoher See die Freiheit der Schifffahrt, und kein Staat habe das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß unter der Gerichtsbarkeit eines anderen Landes registriert sind. Auf diese Norm stützt Russland seine Vorwürfe im Zusammenhang mit der Beschlagnahmung eines unter russischer Flagge fahrenden Tankers.
Zudem betonte das Ministerium, dass nach dem Entern des Schiffes durch die US-Marine der Kontakt zum Tanker Marinera abgebrochen sei. In Moskau wird dies als weiterer Beleg für ein gewaltsames Vorgehen gewertet, das nach russischer Lesart keine rechtliche Grundlage in internationalen Gewässern habe.
Verfolgungsjagd auf dem Ozean und die Rolle der Sanktionen
Nach Angaben der US-Seite ging der Operation eine wochenlange Verfolgung auf hoher See voraus. Im vergangenen Monat versuchte die US-Küstenwache, das Schiff Bella 1 im Karibischen Meer zu entern, als der Tanker vermutlich Kurs auf Venezuela nahm. Washington erklärt, das Schiff habe die Blockade umgangen, indem es Name und Flagge wechselte, um der Sanktionskontrolle zu entgehen.
Ziel der US-Maßnahmen bleibt laut offiziellen Darstellungen die Blockade von Öltransporten aus Venezuela. Im Rahmen dieser Strategie fiel auch die Entscheidung, den Tanker im Atlantik mit Unterstützung Großbritanniens zu beschlagnahmen.
Harte Rhetorik aus Moskau
Russische Politiker reagierten äußerst scharf auf den Vorfall. Der Senator und Abgeordnete der Partei „Einiges Russland“, Andrej Klischas, bezeichnete die Handlungen der USA in seinem Telegram-Kanal als „offene Piraterie auf hoher See“. Er stellte die Beschlagnahmung des Schiffes in einen Zusammenhang mit früheren militärischen Aktionen Washingtons in Venezuela und sprach von einer „Strafoperation“, die nach seinen Worten zum Tod Dutzender Menschen geführt habe.
Auf diese Weise versucht Moskau, den Vorfall nicht nur als Rechtsstreit darzustellen, sondern als Teil einer umfassenderen machtpolitischen Linie der USA außerhalb ihrer eigenen Grenzen.
Forderung nach Rückkehr der Besatzung und Position des russischen Außenministeriums
Parallel dazu forderte das russische Außenministerium die Vereinigten Staaten auf, eine humane und ordnungsgemäße Behandlung der Besatzungsmitglieder des beschlagnahmten Tankers zu gewährleisten. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur TASS drängt das russische Außenministerium auf eine möglichst schnelle Rückkehr der Seeleute in ihre Heimat. Zudem wurde die US-Seite aufgefordert, eine zügige Heimreise der Besatzung nicht zu behindern.
Diese Erklärung gilt als weiteres Signal dafür, dass Moskau die Situation nicht nur als Zwischenfall mit einem Schiff, sondern auch als Frage der Sicherheit eigener Staatsbürger betrachtet.
Neue Festsetzungen und Stellungnahme der USA
Vor dem Hintergrund des Konflikts meldeten die US-Streitkräfte die Festsetzung eines weiteren Tankers im Karibischen Meer. Nach ihren Angaben war das Schiff staatenlos und in „illegale Aktivitäten in der Karibikregion“ verwickelt. Damit machen die USA deutlich, dass die Kampagne gegen illegale Öltransporte fortgesetzt wird und nicht auf einen einzelnen Fall beschränkt bleibt.
Die US-Ministerin für Innere Sicherheit, Kristi Noem, kommentierte die Beschlagnahmung von zwei Öltankern im sozialen Netzwerk X. Sie bezeichnete das Vorgehen der amerikanischen Kräfte als „Arbeit der besten Kampfeinheiten unseres Landes auf ihrem höchsten Niveau“ und stellte die Operation als Beispiel für das Prinzip America first auf See dar.
Parallel dazu richtet sich der Blick in Europa auf eine akute Wetterlage: Der Bombenzyklon „Elli“ trifft Deutschland und bringt ab Donnerstag Sturm, starken Schneefall und gefährliches Glatteis mit sich.