Wie die Redaktion von compakt.de berichtet, wollen zwei nordkoreanische Soldaten, die auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben, nicht in ihre Heimat zurückkehren. Die jungen Männer wurden im Januar von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen. Statt einer Rückführung nach Nordkorea streben sie einen Überlauf nach Südkorea an. Ihren Wunsch haben sie in einem persönlichen Schreiben festgehalten. Der Fall sorgt international für Aufmerksamkeit.
Brief aus der Gefangenschaft sorgt für Aufsehen
Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap erklärten die beiden Soldaten Anfang 20 in einem Brief ihren Wunsch, nach Südkorea überzusiedeln. Das Schreiben wurde laut dem Aktivisten Jang Se-yul in Seoul bekannt. Er leitet eine Organisation, die nordkoreanische Überläufer unterstützt. Der Brief soll bereits im Oktober verfasst worden sein. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Männer in einem Kriegsgefangenenlager nahe Kiew. Dort trafen sie einen südkoreanischen Dokumentarfilmproduzenten, über den das Schreiben später weitergeleitet wurde.
Inhalt des Briefes an südkoreanische Unterstützer
In dem Brief äußern die Gefangenen konkrete Hoffnungen für ihre Zukunft. Wörtlich schreiben sie, sie hätten sich entschieden, nach Südkorea zu gehen und die Menschen dort als Eltern und Brüder zu betrachten. Zudem bedanken sie sich bei jenen, die ihnen Mut zugesprochen hätten. Ihre aktuelle Lage sei ihnen gegenüber nicht als Tragödie, sondern als Beginn eines neuen Lebens beschrieben worden. Diese Worte verdeutlichen den klaren Überlaufwunsch der beiden Männer. Laut Jang habe sich dieser Wunsch erst schrittweise gefestigt.
Wunsch nach neuem Leben in Südkorea
Die Soldaten sprechen in ihrem Schreiben von neuen Träumen und neuen Hoffnungen. Diese seien durch die Unterstützung aus Südkorea entstanden. Der Brief gilt als deutliches Signal für ihre Zukunftspläne. Bei einem Treffen mit einem südkoreanischen Abgeordneten im Februar habe zunächst nur einer der beiden Soldaten offen über einen Überlauf gesprochen. Inzwischen sei der Wunsch jedoch bei beiden eindeutig. Die südkoreanische Regierung verfolgt den Fall aufmerksam. Eine Aufnahme der Männer gilt als möglich, sofern ihr Wunsch offiziell bestätigt wird.

Reaktionen der südkoreanischen Behörden
Die Regierung in Seoul erklärte, sie habe die Ukraine bereits über ihre grundsätzliche Bereitschaft informiert, die beiden Gefangenen aufzunehmen. Voraussetzung sei eine klare und freiwillige Entscheidung der Soldaten. Südkorea erkennt Überläufer aus dem Norden grundsätzlich als eigene Staatsbürger an. Dennoch müssen rechtliche und diplomatische Fragen geklärt werden. Dazu zählt auch die Abstimmung mit ukrainischen Behörden. Der weitere Ablauf hängt von den Ergebnissen dieser Gespräche ab.
Gefangennahme während der Kämpfe in Russland
Öffentlich bekannt wurden die beiden nordkoreanischen Kriegsgefangenen im Januar. Damals erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass ukrainische Streitkräfte zwei nordkoreanische Soldaten gefangen genommen hätten. Die Gefangennahme erfolgte während Kampfhandlungen in der russischen Region Kursk. Die Männer hatten dort auf Seiten Russlands gekämpft. Ihr Einsatz steht im Zusammenhang mit der militärischen Unterstützung Nordkoreas für Moskau. Dieser Aspekt verleiht dem Fall zusätzliche politische Brisanz.
Nordkoreas militärische Unterstützung für Russland
Hintergrund des Falls ist der umfangreiche Einsatz nordkoreanischer Truppen im Krieg. Seit Oktober des vergangenen Jahres soll Nordkorea rund 15.000 Soldaten nach Russland entsandt haben. Diese Truppen unterstützen Russlands militärische Operationen gegen die Ukraine. Der Einsatz markiert eine neue Stufe der Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang. Für die betroffenen Soldaten bedeutet dies häufig Einsätze fern der Heimat unter extremen Bedingungen. Der aktuelle Fall zeigt, dass nicht alle bereit sind, diesen Weg weiterzugehen.

Ungewisse Zukunft für die beiden Soldaten
Der weitere Weg der beiden nordkoreanischen Soldaten ist noch offen. Ermittlungen und diplomatische Gespräche laufen weiterhin. Entscheidend wird sein, ob ihr Überlaufwunsch offiziell bestätigt und umgesetzt werden kann. Die internationale Aufmerksamkeit dürfte den Prozess zusätzlich beeinflussen. Für die Männer selbst steht die Hoffnung auf ein neues Leben im Mittelpunkt. Ob sie dieses künftig in Südkorea beginnen können, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
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