Am Vormittag startete in Moskau erneut die jährliche Fernsehshow von Wladimir Putin, bei der er Fragen ausgewählter Journalisten und Bürger beantwortet. Dies berichtet compakt.de unter Berufung auf BILD. Wird dieses Format seit Jahren gezielt genutzt, um ein kontrolliertes Bild des Kreml-Chefs zu vermitteln. Offiziell geht es um Nähe zum Volk und Aufmerksamkeit für Alltagsprobleme. Tatsächlich steht die politische Inszenierung klar im Vordergrund. Besonders aufmerksam wird die Sendung verfolgt, da parallel internationale Gespräche über ein mögliches Ende des russischen Krieges gegen die Ukraine laufen.
Eine Inszenierung für das eigene Publikum
Putins jährlicher Auftritt folgt einem streng geregelten Ablauf, der wenig Raum für spontane oder kritische Fragen lässt. Die ausgewählten Teilnehmer gelten als loyal oder politisch ungefährlich. Dadurch entsteht der Eindruck eines offenen Dialogs, obwohl zentrale Themen ausgeklammert bleiben. Putin präsentiert sich als lösungsorientierter Staatschef, der angeblich persönlich eingreift. Diese Darstellung soll Stabilität vermitteln und Vertrauen schaffen. Gleichzeitig lenkt sie von sozialen, wirtschaftlichen und militärischen Problemen im Land ab.

Staatlich gelenkte Medien als Verstärker
Ein Großteil der beteiligten Journalisten arbeitet für Medien, die seit Jahren der Kreml-Linie folgen. Kritische Nachfragen oder Widerspruch bleiben aus. Unabhängiger Journalismus ist in Russland kaum noch möglich. Viele Reporter mussten das Land verlassen, um frei berichten zu können. Wer bleibt, passt sich den politischen Vorgaben an. So entsteht ein geschlossenes Mediensystem ohne echte Kontrolle.

Angriffe auf Europa und gezielte Schuldzuweisungen
In der Sendung griff Putin europäische Staaten scharf an, die über eingefrorene russische Vermögenswerte diskutieren. Er bezeichnete deren Vorgehen als offenen Raub. Gleichzeitig ließ er die russische Besetzung ukrainischer Gebiete unerwähnt. Auch die massive Zerstörung ukrainischer Städte fand keine Erwähnung. Diese selektive Darstellung gehört seit Jahren zur Kommunikationsstrategie des Kremls. Ziel ist es, Verantwortung umzudeuten und äußere Feindbilder zu festigen.
Wiederkehrende Propaganda-Narrative
Putins Aussagen folgen bekannten Mustern, die regelmäßig wiederholt werden. Russland wird als Opfer dargestellt, während der Westen als Aggressor erscheint. Eigene militärische Verluste werden ausgeblendet oder relativiert. Rückschläge werden nicht thematisiert. Die ständige Wiederholung soll diese Narrative verfestigen. Für ein Publikum ohne Zugang zu unabhängigen Informationen entsteht so eine verzerrte Realität.
Spott über die ukrainische Führung
Ein zentrales Element der Sendung war der persönliche Angriff auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Putin machte sich über ihn lustig und bezeichnete ihn abfällig als Schauspieler. Anlass war ein Video Selenskyjs aus einer Stadt, die Russland zuvor als erobert dargestellt hatte. Statt auf die offensichtliche Blamage einzugehen, wurde das Video ohne Belege als Fälschung bezeichnet. Solche Aussagen dienen der Diskreditierung des Gegners. Gleichzeitig sollen eigene Falschbehauptungen kaschiert werden.

Kriegsdarstellung und unbelegte Berichte
In der Sendung berichteten russische Militärangehörige von angeblichen Verbrechen ukrainischer Soldaten. Konkrete Beweise wurden dafür nicht geliefert. Gleichzeitig sind zahlreiche Kriegsverbrechen russischer Truppen international dokumentiert. Die Auswahl solcher Aussagen folgt einem klaren propagandistischen Zweck. Emotionale Schilderungen sollen Empörung erzeugen und Zweifel unterdrücken. Die Verantwortung Russlands wird dabei systematisch ausgeblendet.
Typische Propagandaelemente der Sendung:
- Einseitige Aussagen ohne unabhängige Prüfung
- Ausblendung eigener militärischer Verluste
- Darstellung russischer Soldaten als Befreier
- Schuldzuweisung an Ukraine und Westen
Putins Darstellung des Kriegsverlaufs
Putin behauptete erneut, russische Truppen würden entlang der gesamten Front vorrücken. Diese Darstellung wiederholt er seit Beginn des Großangriffs im Februar 2022. Tatsächlich hat Russland zentrale Kriegsziele bis heute nicht erreicht. Der Krieg dauert inzwischen fast vier Jahre an. Weder Kiew noch der gesamte Donbas wurden eingenommen. Die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Realität bleibt in der Sendung unerwähnt.

Verzögerung, Pathos und Loyalitätsbekundungen
Selbst der verspätete Beginn der Sendung wurde zur Inszenierung genutzt. Moderatoren überbrückten die Wartezeit mit Lobeshymnen auf den Präsidenten. Bürgerfragen wirkten vorbereitet und harmlos. Thematisiert wurden symbolische Anliegen und historische Mythen. Reale soziale Probleme spielten kaum eine Rolle. Diese Elemente verstärken den Personenkult um Putin.


Das andere Bild abseits der Kameras
Während in Moskau die Propaganda-Show lief, zeigen Bilder aus der Ukraine massive Zerstörungen. Orte wie Kostjantyniwka im Donbas stehen exemplarisch für die Folgen des Krieges. Seit 2014 versucht Russland, diese Region zu kontrollieren. Militärisch ist dies bis heute nicht vollständig gelungen. Deshalb setzt der Kreml zunehmend auf politischen Druck und Verhandlungen. Ziel ist es, territoriale Zugeständnisse ohne weitere militärische Erfolge zu erzwingen.

Lesen Sie auch: Verfassungsmäßigkeit bestätigt – Grundsteuerreform tritt in stabile Phase ein.