Die Aktien von adidas sind am Dienstag nach der Neubewertung des Unternehmens durch die Bank of America deutlich unter Druck geraten, was die Stimmung der Investoren schlagartig abkühlte, wie die Redaktion von compakt.de berichtet unter Berufung auf finanzen.net. Der Markt machte damit den Optimismus zunichte, der zuletzt von Erwartungen rund um große Sportereignisse der kommenden Jahre getragen worden war.
Deutlicher Kursrutsch nach Neubewertung
Im XETRA-Handel verloren die adidas-Aktien zeitweise 6,45 Prozent und fielen auf 158,95 Euro. Damit löste sich nahezu der gesamte Kursanstieg auf, der sich seit dem 29-Monatstief im November bei 150,40 Euro aufgebaut hatte. Damals hatten Anleger verstärkt Hoffnungen auf eine Belebung der Nachfrage im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den Kurs eingepreist.
Die heftige Marktreaktion zeigte, wie fragil dieser Optimismus war. Eine einzige Anpassung der Prognosen reichte aus, um den Großteil der Kursgewinne buchstäblich verpuffen zu lassen.
Analyst der Bank of America spricht von einer Illusion der Erholung
Der Analyst Thierry Cota nahm in seinem europäischen Branchenausblick für 2026 eine ausgesprochen skeptische Haltung ein. Er senkte das Kursziel für die adidas-Aktie deutlich von 213 auf 160 Euro und stufte die Empfehlung gleichzeitig von „Buy“ auf „Underperform“ herab. Damit zählt das Papier aus seiner Sicht nun zu den am wenigsten attraktiven Werten in seinem Analyseuniversum.
Nach Einschätzung von Cota hat der Markt zu früh an eine schnelle Erholung des Sektors geglaubt. Den erhofften Aufschwung bezeichnet er offen als Illusion, der es an belastbaren fundamentalen Grundlagen mangele.
Die Sportartikelbranche steckt in einem langanhaltenden Abschwung
Der Analyst sieht keine Anzeichen für eine Trendwende in der Sportartikelindustrie insgesamt. Der Abschwung, der bereits im zweiten Quartal 2023 begonnen hat, hätte zwar formal enden müssen, doch reale Signale für ein Ende der Phase schwacher Umsätze fehlen weiterhin. Gemeint sind dabei Erlöse ohne Berücksichtigung von Zu- und Verkäufen sowie Wechselkurseffekten.
Nach Einschätzung von Cota steuert die Branche vielmehr auf ein viertes Jahr des Abschwungs zu. In diesem Zusammenhang zieht er ein klares Fazit: „Der 20-jährige Wachstumstrend im Markt für Sport- und Freizeitbekleidung ist beendet.“
Schwache Prognosen zum Jahresende und Druck auf die Erträge
Kurzfristig stellt sich die Lage sogar noch angespannter dar. Für das vierte Quartal wird ein Umsatzrückgang der Branche von zwei Prozent erwartet, wobei nach Ansicht des Analysten vor allem Nike und PUMA eine zentrale Rolle spielen. Einen Wendepunkt in der Absatzentwicklung sieht er derzeit nicht.
Mittelfristig dürfte das Wachstum des Sektors nach seiner Einschätzung bestenfalls sehr verhalten ausfallen. Eine Rückkehr zu durchschnittlichen Wachstumsraten von über neun Prozent hält er für ausgeschlossen. Der Markt hat diese Einschätzung bereits eingepreist: Seit Anfang 2025 sind die Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie (EPS) im gesamten Sektor für die Jahre 2026 und 2027 im Durchschnitt um rund 20 Prozent gesunken.
Warum die Risiken für adidas weiter zunehmen
Cota weist gesondert darauf hin, dass der Wachstumsmomentum bei adidas allmählich nachlässt. Die Erwartungen an den Umsatz im vierten Quartal bleiben gedämpft, zudem könnte sich die Nachfrage nach der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer weiter abschwächen. Das deutet darauf hin, dass selbst ein globales Sportereignis keinen nachhaltigen Wachstumsschub garantieren dürfte.
Hinzu kommt, dass die schwachen Branchentrends zunehmend auf die Margen drücken. Unter diesen Bedingungen wird es für Unternehmen immer schwieriger, ihre Profitabilität selbst bei stabilen Absatzmengen zu verteidigen.
Herabstufungen auch bei anderen Marktteilnehmern
Die negative Neubewertung beschränkte sich nicht allein auf adidas. Der Analyst stufte auch JD Sports Fashion von „Buy“ auf „Neutral“ herab und verwies auf eine Verlagerung der Probleme von branchenweiten hin zu unternehmensspezifischen Faktoren. Bei einem langsam wachsenden Markt verfüge ein Einzelhändler mit hohen und weiter steigenden Fixkosten nur über begrenztes Umsatz- und Margenpotenzial.
In der Folge senkte Cota das Kursziel für JD Sports von 112 auf 96 Pence und rechnet mit weiteren Abwärtsrevisionen bei den EPS-Schätzungen. Für PUMA hielt er an einer neutralen Empfehlung fest, erhöhte jedoch das Kursziel um zwei Euro auf 24 Euro, unter anderem aufgrund gesunkener Kapitalkosten (WACC).
Insgesamt sendet die Neubewertung durch die Bank of America ein klares Signal an den Markt: Die Phase des vorsichtigen Optimismus in der Sportartikelbranche ist beendet, und Investoren müssen sich auf eine längere Phase schwachen Wachstums einstellen.
Zuvor kam es bei der Deutschen Bank und der Postbank zu einer Onlinebanking-Störung, die inzwischen behoben wurde.