Wer in einer Großstadt eine bezahlbare Wohnung sucht, stößt schnell auf drei Buchstaben: WBS. Ohne Wohnberechtigungsschein bleiben Sozialwohnungen verschlossen – mit ihm öffnet sich ein eigener, deutlich günstigerer Teil des Wohnungsmarkts. Compakt.DE erklärt, wer den Schein 2026 bekommt, wo Sozialwohnungen angeboten werden und wie Sie Ihre Chancen bei der Suche konkret verbessern.
Kurzantwort
- Eine Sozialwohnung darf nur beziehen, wer einen gültigen Wohnberechtigungsschein (WBS) hat.
- Den WBS erhalten Haushalte, deren Einkommen unter einer gesetzlichen Grenze liegt. Die Bundesländer dürfen davon abweichen und tun das meist nach oben.
- Beantragt wird der Schein bei der Kommune, in Berlin auch online. Er gilt in der Regel ein Jahr.
- Gesucht wird über städtische Wohnungsgesellschaften, Genossenschaften und Portale mit dem Filter „WBS erforderlich“.
Was eine Sozialwohnung ist – und warum es den WBS braucht
Sozialwohnungen werden mit öffentlichen Fördermitteln gebaut oder modernisiert. Im Gegenzug verpflichtet sich der Eigentümer für eine bestimmte Zeit zu einer niedrigeren Miete und zur Vermietung an Haushalte mit geringem oder mittlerem Einkommen. Der WBS ist der Nachweis, dass Sie zu diesem Kreis gehören. Er verpflichtet keinen Vermieter, Ihnen eine Wohnung zu geben – er berechtigt Sie nur, sich überhaupt zu bewerben.
Einkommensgrenzen 2026: Wer den WBS bekommt
Ausgangspunkt ist § 9 des Wohnraumförderungsgesetzes. Er nennt die bundesweiten Grenzen für das Jahreseinkommen. Viele Länder setzen eigene, höhere Werte fest. Berlin etwa erlaubt beim regulären WBS ein um 40 Prozent höheres Einkommen.
| Haushalt | Bundesgrenze (§ 9 WoFG) | Berlin, Grenze +40 % |
|---|---|---|
| 1 Person | 12.000 € | 16.800 € |
| 2 Personen | 18.000 € | 25.200 € |
| jede weitere Person | + 4.100 € | + 5.740 € |
| je Kind im Haushalt | + 500 € | + 700 € |
Wichtig: Gemeint ist nicht das Bruttogehalt, sondern ein bereinigtes Jahreseinkommen. Für Steuern, Kranken- und Rentenversicherung werden pauschal bis zu 30 Prozent abgezogen, außerdem gibt es Freibeträge, etwa für Alleinerziehende, junge Ehepaare oder Menschen mit Schwerbehinderung. Viele Haushalte, die sich für „zu gut verdienend“ halten, liegen deshalb unter der Grenze. Welche Sonderfälle es gibt und wie die Grenzen in den einzelnen Ländern aussehen, erläutert der Beitrag Wohnberechtigungsschein 2026: Wer ihn bekommt und wie man eine Sozialwohnung findet.
Beispielrechnung: Liegt eine Familie unter der Grenze?
Ein Paar mit einem Kind lebt in Berlin. Ein Elternteil verdient 40.000 Euro brutto im Jahr, der andere ist in Elternzeit. Die Berliner Grenze für drei Personen mit einem Kind liegt bei 25.200 + 5.740 + 700 = 31.640 Euro.
- Bruttojahreseinkommen: 40.000 €
- abzüglich Arbeitnehmer-Pauschbetrag: knapp 39.000 €
- abzüglich pauschal 30 % für Steuern, Kranken- und Rentenversicherung: rund 27.100 €
- Kindergeld zählt nicht als Einkommen
Mit rund 27.100 Euro liegt die Familie deutlich unter der Grenze und hat Anspruch auf einen WBS – obwohl das Bruttogehalt auf den ersten Blick zu hoch wirkt. Die verbindliche Berechnung nimmt immer das zuständige Amt vor.
WBS beantragen: Unterlagen und Ablauf
Zuständig ist das Wohnungsamt der Stadt oder das Bürgeramt. In der Regel brauchen Sie:
- den ausgefüllten Antrag (bei vielen Kommunen als Online-Formular)
- Einkommensnachweise aller Haushaltsmitglieder für die letzten zwölf Monate oder eine Prognose für die kommenden zwölf Monate
- Personalausweis oder Reisepass, bei Nicht-EU-Bürgern den Aufenthaltstitel
- gegebenenfalls Nachweise für Freibeträge, etwa Schwerbehindertenausweis oder Heiratsurkunde
- bei einem Dringlichkeitsantrag: Belege für die besondere Notlage
Die Bearbeitung dauert je nach Stadt einige Wochen. In Berlin können Sie den Antrag seit Herbst 2024 auch online stellen; der Schein gilt dort stadtweit. Den genauen Ablauf mit allen Unterlagen beschreibt der Leitfaden WBS in Berlin beantragen.
Wo Sie Sozialwohnungen finden
- Städtische Wohnungsgesellschaften: Sie halten den größten Bestand. Viele führen Interessentenlisten – eine Registrierung lohnt sich sofort.
- Wohnungsbaugenossenschaften: Einige Genossenschaftswohnungen sind gefördert. Meist ist ein Mitgliedsbeitrag fällig.
- Wohnungsämter: In manchen Städten vermitteln sie Wohnungen direkt, vor allem bei Dringlichkeit.
- Wohnungsportale: Über den Filter „WBS erforderlich“ lassen sich geförderte Angebote gezielt anzeigen.
- Neubauprojekte: Bei großen Vorhaben ist oft ein Anteil geförderter Wohnungen vorgeschrieben. Frühzeitige Anfragen beim Bauträger zahlen sich aus.
Strategie: So erhöhen Sie Ihre Chancen
- Beantragen Sie den WBS, bevor Sie suchen – viele Angebote sind nach wenigen Stunden vergeben.
- Halten Sie eine digitale Bewerbungsmappe bereit: WBS, Schufa-Auskunft, Einkommensnachweise, Mietschuldenfreiheitsbescheinigung.
- Prüfen Sie, ob Sie einen WBS mit besonderem Wohnbedarf erhalten, etwa bei Schwangerschaft, Wohnungslosigkeit oder gesundheitlichen Gründen.
- Suchen Sie nicht nur in der Innenstadt. Am Stadtrand ist die Konkurrenz oft deutlich kleiner.
- Verlängern Sie den WBS rechtzeitig, bevor er nach einem Jahr abläuft.
Wenn es mit der Sozialwohnung nicht klappt: Wohngeld
Wer knapp über der WBS-Grenze liegt oder schlicht keine geförderte Wohnung findet, sollte Wohngeld prüfen. Der Zuschuss gilt auch für frei finanzierte Wohnungen und deckt seit der Reform zusätzlich Teile der Heizkosten ab. Was sich 2026 geändert hat, fasst der Compakt.DE-Beitrag zu Wohngeld Plus 2026 zusammen.
Häufige Fehler
- Es wird mit dem Bruttoeinkommen gerechnet – und deshalb gar kein Antrag gestellt.
- Einkommen von Partnern oder volljährigen Kindern im Haushalt wird vergessen.
- Der WBS läuft während der Suche ab, und die Bewerbung wird ungültig.
- Man bewirbt sich nur auf Portalen statt direkt bei den Wohnungsgesellschaften.
FAQ
Wie lange ist ein WBS gültig?
In den meisten Ländern ein Jahr. Danach müssen Sie einen neuen Antrag stellen, wenn Sie noch keine Wohnung gefunden haben.
Muss ich ausziehen, wenn mein Einkommen später steigt?
Nein. Entscheidend ist das Einkommen beim Einzug. In einigen Ländern kann bei deutlich höherem Einkommen aber eine Ausgleichsabgabe fällig werden.
Gilt ein WBS auch in einer anderen Stadt?
Grundsätzlich nur in dem Bundesland, in dem er ausgestellt wurde. Wer umziehen will, beantragt den Schein am besten direkt bei der künftigen Kommune.
Fazit
Mit einem Wohnberechtigungsschein vergrößert sich das Angebot an bezahlbaren Wohnungen spürbar – vorausgesetzt, Sie beantragen ihn früh, rechnen Ihr Einkommen richtig und suchen gezielt bei den großen Vermietern. Wer die Unterlagen griffbereit hat und auch Randlagen in Betracht zieht, hat 2026 realistische Chancen auf eine Sozialwohnung.